- Mittwoch, 08. Juni 2011 19.00 In meinem Kalender speichern
book:look | Melre Hilbk | Tschernobyl Baby – Wie wir lernten das Atom zu lieben
Lesung & Diskussion
Tschernobyl Revisited - Reportage mit eigenem Sound!
Tschernobyl, 25 Jahre nach der Katastrophe. Die russlanderfahrene Reporterin Merle Hilbk hat sich mit Geigerzähler und Aufnahmegerät auf eine Reise zum Zentrum des GAU begeben. Tschnernobyl Baby. Wie wir lernten, das Atom zu lieben ist Spurensuche, Roadmovie und Dokumentation des heutigen Lebens in und im Umkreis der Sperrzone. Die Mitarbeiter der Zonenverwaltung und die knapp 3.000 Arbeiter, die immer noch auf dem Kraftwerksgelände beschäftigt sind, obwohl seit 2000 auch der letzte Reaktor abgeschaltet ist. Das alte Ehepaar, das sich in der Trabantenvorstadt, in die es umgesiedelt wurde, nicht wohlfühlte und nach Ilinitsy, nur 10 Kilometer vom Reaktor entfernt, zurückkehrte. Der Grafikdesigner, der Touristen durch die Sperrzone chauffiert und die bizarren Örtlichkeiten des Reaktorkomplexes als Vorlage für das Setting des international erfolgreichen Computerspiels S.T.A.L.K.E.R. verwertet. Oder die Abenteurer, die in der Weite der offiziell streng abgeriegelten Sperrzone Paintball spielen.
Es ist aber auch eine Reportage über den Umgang mit der Katastrophe in den direkt betroffenen Gebieten und in Westeuropa. Merle Hilbk beschreibt, wie so unterschiedliche Personen wie Renate Künast, der Großgrundbesitzer Andreas von Bernstorff oder der ostdeutsche Friedensaktivist Sebastian Pflugbeil durch Tschernobyl politisch aktiv wurden und das öffentliche Bewusstsein prägten. In der sich auflösenden Sowjetunion hingegen war es schwierig, überhaupt verlässliche Informationen über das wahre Ausmaß der Katastrophe und die Bedrohung durch die Radioaktivität zu bekommen, und noch heute glauben viele, ein kräftiger Schluck Wodka reinige den Körper von der Strahlenbelastung.