Dienstag, 07. Dezember 2010 19.00 In meinem Kalender speichern

book:look | Stefan Selke | Kritik der Tafeln in Deutschland: Standortbestimmungen zu einem ambivalenten sozialen Phänomen | Lesung & Vortrag & Publikumsdiskussion

Stefan Selke formuliert kritische Thesen zu den so genannten „Tafeln“, die seit 1993 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen und stößt einen Diskurs über deren gesellschaftliche Funktion an. Erstaunt über die schnell wachsende Zahl der Hilfsreinrichtungen, hat Selke vor Ort recherchiert und dabei eine Parallelwelt aufgefunden. Es ist die Welt der geringfügig Beschäftigten, der Hartz-IV-Empfänger, und aus der Ausgeschlossenen die am Rande der Gesellschaft zurechtzukommen versuchen. Die Ergebnisse seiner Recherchen hat Selke in der Sozialreportage „Fast ganz unten“ zusammengefasst. Darin kritisiert er die Verselbständigung der Tafelbewegung: „Statt an einer Abschaffung der Armut mitzuwirken, beteiligen sich die Tafeln – sicher unintendiert – an einer Segmentierung der Gesellschaft in ‚Oben’ und ‚Unten’. Bedürftige Menschen werden durch ein gut funktionierendes Tafelsystem zwar nicht vom Staat, dafür aber umso effektiver von freiwilligen Hilfsorganisationen ‚ruhig gestellt’.“ Ziel müsse die Armutsbekämpfung, nicht die Armutsbewältigung sein.

Stefan Selke | Professor für Soziologie an der Fakultät Digitale Medien der Hochschule Furtwangen University im Schwarzwald. Als Publizist und Buchautor wurde Stefan Selke zum zentralen Kritiker der so genannten „Tafelbewegung“ in Deutschland.
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