- Freitag, 08. Oktober 2004 20.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Brasilien: Jenseits vom Zentrum und Peripherie?
Podiumsdiskussion
Zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten
Jahrhunderts wurde – bekanntlich
federführend von lateinamerikanischen
Sozialwissenschaftlern – der Doppelbegriff
von „Zentrum“ und „Peripherie“
entwickelt. <br><br>
Allerdings haben Gelehrten
unterschiedlicher Denktraditionen (I.
Wallerstein, V. Tucker, S. Eisenstadt)
bereits ab den 1970er einen Diskurs zur
Überwindung der Dichotomie von
Peripherie und Zentrum eingeleitet,
welcher wertende Rangordnungen
bloßstellt, wie diejenigen, die das Zentrum
als „Originalproduzenten“ und die
Peripherien als „Nachahmer“ postulieren –
was bereits in den 1920er Jahren von
Jorge Luis Borges angeprangert
wurde.<br><br>
Diese Kritik nimmt eine besondere
Aktualität in einer Zeit der Fragmentierung
bei gleichzeitiger Verwobenheit der
Weltgesellschaft an: Soziale Prozesse und
kulturelle Dynamiken, die man als
typische „periphere“ Phänomene
bezeichnet hat, lassen sich in der Wiege
der Moderne beobachten, während spät
industrialisierte Gesellschaften die
Entwicklungen in bestimmten Bereichen
weltweit determinieren.<br><br>
Brasilien stellte schon immer ein
paradigmatisches Beispiel für die
Verwischung der Unterscheidung
Zentrum/Peripherie dar. Gegenwärtig
lässt sich dieser Sachverhalt noch
deutlicher spüren: Spielt Brasilien im
Rahmen der internationalen Beziehungen
und in der Entstehung einer Weltkultur
eine immer wichtigere Rolle aus, so
zwingen die Entwicklungen im sozialen
und ökonomischen Bereich zur
Bescheidenheit.<br><br>
<b>Mit:</b><br>
Susanne Gratius, Regine Schönenberg,
Imme Scholz, Gilberto Calcagnotto,
Sérgio Costa, Peter Scholz, Günter
Maihold (Moderation; Stiftung Stiftung
Wissenschaft und Politik, Berlin)
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin