Tagung Dienstag, 26. Juni 2018 in
Berlin

Building a feminist Internet.

Feministische Netzpolitik in der Praxis Workshops, Lectures und ein Abendpanel

Urheber/in: rawpixel.com. Public Domain.
Datum, Uhrzeit
Dienstag, 26. Juni 2018, 14.00 Uhr – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung
Livestream
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Das Panel "Hass löschen? Expertinnen beurteilen das NetzDG" wurde aufgezeichnet. 

Es heißt, auf dem Land gehen die Uhren langsamer. Für das Internet trifft das definitiv zu. Denn dank der Bundesregierung reicht das Breitbandkabel nur bis zur nächst größeren Stadt, wenn überhaupt. Sollen die Leute also mehr bezahlen, wenn sie eine schnellere Verbindung wollen? Doch damit schrumpfen Handlungsräume und Teilhabe für Geringverdienende, ja zumeist Frauen*, weiter.

Grundsätzlich gilt: Das Internet und seine Technologien sind ein Spiegel der gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsstrukturen, also auch durchdrungen von Sexismus, Rassismus, Homo- und Transphobie. Inklusion bleibt die Ausnahme und Hassreden insbesondere gegen Frauen*, Schwarze Frauen und People of Color sind alltäglich genauso wie Trans*- und/oder Homophobie.

Doch aus feministischer Perspektive sollte für ein Internet gekämpft werden, das inklusiv, bezahlbar und vor allem nutzbar ist im Streit für ein gerechtes und gewaltfreies Miteinander.

Lasst uns ein feministisches Internet bauen! Anregungen gibt es schon.

Auf der Tagung werden netzpolitische Handlungsfelder (wie zum Beispiel die Regulierung von Algorithmen, Überwachung oder Digitaler Gewalt, die fehlende Diversität in Tech-Unternehmen) mit feministischen Diskussionen zusammengebracht. Es geht um Theorie und Praxis.

Programm

14.00 Einlass

14.30: Begrüßung/Einstieg

 

15.00-16.30 Uhr Theoretische Grundlagen

Feministische Perspektiven auf Überwachung
Input: Nicole Shephard (Wissenschaftlerin, Gender &Technologie)

Ob in der Wissenschaft, im Aktivismus gegen Überwachung, oder in den Medien – wo Überwachung aktuell diskutiert wird, bleiben feministische Perspektiven meist außen vor. Dabei haben feministische Theorie, Methoden und Politik viel zu einem umfassenderen Verständnis von Überwachung und ihren Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen beizutragen. Wo liegen die theoretischen und praktischen Anknüpfungspunkte? Wie kann Überwachung intersektional gedacht werden und warum ist das wichtig? Wie sieht ein feministischer Umgang mit Überwachung aus? Das sind einige übergreifende Fragen, denen dieser Vortrag nachgeht.

KI/Algorithmen/Big Data – wie kann eine feministische Zukunft aussehen?
Input: Goda Klumbyte (Wissenschaftlerin, Gender/Diversity in Informatics Systems)

Diversity in Tech – Wer schreibt den Code?
Input: Fiona Krakenbürger (Heart of Code)

Warum mangelt es in der IT- und Softwareentwicklung eigentlich an Diversität? Ist Technik einfach Männersache? Nein, ganz bestimmt nicht! Technologie wurde nicht männlich geboren, sie wurde männlich gemacht. Wir nähern uns der Frage an, wie sich die Softwareentwicklung zu einer so stark männlichen Sphäre entwickeln konnte, wie wir das ändern können und warum das wichtig ist. Wir knüpfen damit an technikfeministische Ansätze aus den letzten Jahren an.

 

17.00-18.30 Workshops

Verschlüsseln gegen Überwachung
Input: Mahriah Zimmermann (Menschenrechtsaktivist*in, Feminismus & Netzpolitik)
Achtung: Teilnehmende bitte einen eigenen Computer mitbringen.

Tools für feministischen Widerstand im Netz I + II
Input: Anne Wizorek (feministische Aktivistin, kleinerdrei.org)
Der Workshop gibt einen Einstieg ins Thema Hate Speech im Internet. Welche Strategien gibt es im Umgang mit Gewalt im Netz und welche (feministischen) Werkzeuge existieren, um sich zu schützen und Hilfe zu holen?

Input: Britta Häfemeier (feministische Aktivistin, Journalistin)
Feministischer Widerstand ist nötig – auch im Netz. In dem Workshop geht es um Vernetzung, aber auch um ganz praktische Dinge: Wie kann ich Social Media nutzen, wie organisiere ich mich mit anderen Menschen oder plane Kampagnen und Aktionen? Außerdem gibt Britta Häfemeier hilfreiche Tipps und einen Einblick in die Arbeit mit Tools, die eine große Unterstützung im Campaigning sein können.

Building a Feminist Internet - Step One: Wie funktioniert das Internet?
Input: Marie & Jenny (Heart of Code)

Wie funktioniert das Internet und was läuft ab, wenn ich eine Website aufrufe oder Texte in Social Media poste? Zusammen machen wir uns ein Bild von den Informationsströmen, die wir tagtäglich anfragen und die dieses Internet ausmachen. Mit verschiedenen Tools schauen wir hinter die Kulissen des Internets und verfolgen eine Reise von Datenpaketen live. Denn wie werden die Informationen übers Internet eigentlich verschickt und an welchen Stellen können sie ausgelesen und gespeichert werden?

Building a Feminist Internet – Programmierbasics: How to use a Terminal
Es ist die grundlegende Schnittstelle zwischen Mensch und Computer, der direkteste Kommunikationsweg zur Maschine, für die einen unentbehrlich, für die anderen nicht-existent: das Terminal. Die Kommandozeile. Die Shell. Um an Daten zu kommen und sie zu bearbeiten, um Werkzeuge und Plattformen zu bauen oder um die inneren Vorgänge unseres eigenen Computers zu verstehen, brauchen wir ein gewisses Grundverständnis. Aller Anfang ist schwer und genau hier setzt der Workshop an. Wir lernen, was das Terminal ist, wie wir es bedienen, welche Informationen es uns geben kann, wie wir Information bearbeiten können. Wir bauen ein Vokabular auf, damit die Teilnehmenden später weiterlernen und bessere Fragen stellen können.

Input: Lisa Passing (Heart of Code)

Achtung: Teilnehmende bitte einen eigenen Computer mitbringen. Notfalls geht ein Tablet/ Smartphone, aber das ist zum Tippen nicht so bequem.

*Wir möchten im Vorfeld niemanden abweisen; eine Teilnahme an einzelnen Workshops kann allerdings nicht garantiert werden.

 

19.00 – 21.00 Panel

Hass löschen? Expertinnen beurteilen das NetzDG
Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz hat die Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode ein Regulierungsinstrument vorgelegt, welches Digitale Gewalt da bekämpfen soll, wo sie stattfindet – auf den Plattformen der sozialen Medien. Nach einem halben Jahr in der Anwendung lohnt ein Blick auf die Erfolge in der Bekämpfung von Hass im Netz.

Wir möchten diskutieren, was das NetzDG bisher gebracht hat und ob es ein sinnvolles Mittel ist, um Digitale Gewalt zu bekämpfen.

Mit:
Sabine Frank (Leiterin Regulierung, Verbraucher- und Jugendschutz Google Germany GmbH)
Kathrin Ganz (Politikwissenschaftlerin, Netzaktivistin)
Katharina Mosene (netzforma* e.V./Verein für feministische Netzpolitik, Politikwissenschaftlerin)
Tabea Rösner (MdB, Sprecherin für Netzpolitik Bündnis90/Die Grünen)
Elke Steven (Geschäftsführerin Digitale Gesellschaft e.V.)

*angefragt

 

Die Veranstaltung wird von 19:00 - 21:00 Uhr auch im Livestream übertragen. 

 

Fachkontakt:
Francesca Schmidt
E-Mail: fschmidt@boell.de
Telefon +49 30 - 28534 - 121