Donnerstag, 19. November 2009 16.00 – 19.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Care Ökonomie als zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell - Voraussetzungen

Fachgespräch

Nicht erst seit der weltweiten Finanzkrise sind die gängigen Paradigmen und Begriffe der Ökonomie in die Kritik geraten: Die einseitige Orientierung auf Wachstum und klassisch messbare Marktphänomene blendet all jene gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Ressourcen aus, die eine Basis für marktwirtschaftliche Prozesse bilden. Kapitalistische Wertschöpfung basiert auf einem „Polster“ sozialer Regeneration, auf eben dieses fallen Krisen der Ökonomie letztlich zurück, ökonomische Risiken werden „nach unten“ ausgelagert - so lautet eine These der Soziologin und Publizistin Dr. Christa Wichterich.

Der Begriff der Care Ökonomie oder Sorgeökonomie verdeutlicht, dass marktwirtschaftliches Handeln kein hermetischer Raum ist, sondern in den sozialen Zusammenhängen von Gesellschaften stattfindet. Klassische volkswirtschaftliche Theorien hingegen ignorieren bisher, welchen Anteil die überwiegend unbezahlt und von Frauen geleistete Sorgearbeit einerseits sowie die ökologische Ressourcen andererseits an wirtschaftlicher Produktion haben.
 
Im Zentrum des Fachgespräches steht daher die Frage: Welche Leistung steht hinter der „Wirtschaftsleistung“ bzw.: Wie könnte ein nachhaltiges, gerechtigkeitsorientiertes Wirtschaftssystem, das nicht-monetäre Ressourcen mit einberechnet und damit sichtbar macht, in Theorie und Praxis aussehen?
 
Neben der Vorstellung von Modellen und nachhaltigkeitsorientierten Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt stehen dabei auch grundsätzliche Fragen zur Debatte:
 
Was ist uns Sorgearbeit wert, wie kann diese nicht nur monetär anerkannt, sondern auch geschlechtergerecht verteilt werden? Welchen Stellenwert hat die Sorgearbeit in unserer Wirtschaft einerseits – aber kann man, darf man Familiäres andererseits derart ökonomisieren? Was sollten politische Ziele und Wege sein?
 
Hinweis:
Dieses Gespräch stellt den Auftakt einer thematischen Reihe zur Care Ökonomie im Gunda-Werner-Institut dar. Als Fortsetzung findet am 10.02.2010 ein weiteres Fachgespräch zu Perspektiven geschlechtergerechten Wirtschaftens statt, u.a. mit Mascha Madörin, Kerstin Andreae MdB, Dr. Maria Kontos und Prof. Dr. Adelheid Biesecker.
 
Wir laden Sie auch dazu schon herzlich ein und hoffen auf eine erkenntnisreiche Debatte.


Mit:
Dr. Christa Wichterich
Soziologin und Publizistin, Bonn

Dr. Ulrike Knobloch
Sozialökonomin, Universität Freiburg/Schweiz

Roland Zieschank
Forschungsstelle für Umweltpolitik, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, Freie Universität Berlin

Lisa Paus
MdB, Bündnis 90/Die Grünen