Mittwoch, 28. Oktober 2009 19.00 In meinem Kalender speichern

CINEMA GLOBAL | Korankinder | FILM

Korankinder
Bangladesch/Deutschland 2008 86 Minuten
Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Shaheen Dill-Riaz

Auftakt einer Werkschau mit Filmen von Shaheen Dill-Riaz

In seinem neuesten Film gewährt Shaheen Dill-Riaz (Eisenfresser, D 2007) ungewöhnliche Einblicke in die Welt der Koranschulen, sogenannter Madrasas, in seinem Heimatland Bangladesch. Das arabische Wort `Koran`, erklärt der Regisseur gleich zu Beginn des Films im Voice Over, bedeutet `Rezitation`. Und so rezitieren die Schüler täglich über Jahre hinweg die 6.234 Suren des Korans. Es ist ein ermüdendes Auswendiglernen, denn den Sinn der arabischen Verse verstehen die Bengali sprechenden Kinder nicht. Doch für die Söhne armer Familien, die sich hier kostenlos zu einem `Hafiz`, einem Koranlehrer, ausbilden lassen können, bietet der erfolgreiche Besuch einer Madrasa oft den einzigen Ausblick auf eine bessere Zukunft. Stehen sie jedoch die autoritäre Schulzeit nicht durch, sind ihre Berufschancen schlecht, denn säkulares Wissen wurde ihnen dabei nicht vermittelt.

Trotz des Bilderverbots ist es Shaheen Dill-Riaz durch die Vermittlung eines Freundes gelungen, eine Dreherlaubnis in mehreren Koranschulen Bangladeschs zu erhalten. In Gesprächen mit den Schülern, ihren Eltern, Lehrern sowie Wissenschaftlern entfaltet sich das differenzierte Porträt einer traditionellen islamischen Institution, über die im Westen sehr wenig bekannt ist, die jedoch weltweit zunehmend Zulauf erhält. Geschickt kontrastiert der ausgebildete Kameramann Dill-Riaz eindrucksvolle Totalen auf die überfüllten Straßen der Hauptstadt Dhaka beim jährlichen muslimischen Pilgertreffen mit einfühlsamen Bildern aus dem Schulalltag, betrachtet in einer langsamen Kamerafahrt die angestrengten Gesichter der Koranschüler, die unter den strengen Blicken ihres Lehrers in einem monotonen Singsang die Suren rezitieren. (Kinofenster)

Zu Gast: Shaheen Dill-Riaz, Regisseur Dill-Riaz wurde 1969 in Dhaka, Bangladesch geboren. Er war Mitorganisator des International Short Film Festivals Dhaka und arbeitete als Filmjournalist in Bangladesch. Er absolvierte ab 1992 ein Studium der Kunstgeschichte an der FU Berlin und ab 1995 ein Kamerastudium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Sein Abschlussfilm »Sand und Wasser« wurde u.a. mit dem Babelsberger Medienpreis ausgezeichnet. Mit Eisenfresser ist Dill-Riaz auch in Deutschland bekannt geworden. Korankinder ist sein vierter abendfüllender Dokumentarfilm.

Prof. Dr. Asit Datta Geboren in Indien. Mitbegründer und Vorsitzender der interdisziplinären Arbeitsgruppe 'Interkulturelle Pädagogik' (AG Interpäd), Philosophische Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaften der Leibniz Universität Hannover. Forschungsschwerpunkt u.a.: Entwicklungsprozesse in Indien und Bangladesh.
Website
Veranstalter*in
Externe Veranstaltung