Donnerstag, 19. Februar 2009 19.00 In meinem Kalender speichern

Cinema Global | Seaview | Film

Seaview
Regie: Nicky Gogan, Paul Rowley; Irland 2008, 82 Minuten

Wenn man Dublin in nördlicher Richtung verlässt, gelangt man nach einer Stunde zu einer merkwürdigen Ansammlung grauer Zementhäuser. Die Türen sind bunt gestrichen, und am nahen Meer verrosten alte Jahrmarktsattraktionen: Mosney wurde 1948 als Ferienlager eröffnet, in dem irische Familien ihrem Alltag entfliehen und sich erholen konnten. - Heute findet man eine völlig andere Welt vor, die allerdings noch immer etwas mit dem Thema Flucht und Entkommen zu tun hat:

Der ehemalige Ferienort dient als Aufnahmelager für Asylbewerber aus der ganzen Welt. Hier leben über 700 Menschen und warten oft jahrelang auf den Bescheid über ihren Asylantrag.

Nicky Gogan und Paul Rowley haben drei Jahre lang in Mosney gelebt und das Vertrauen der Bewohner gewonnen, die ihnen ihre Lebensgeschichten erzählt haben. Langjährige Angestellte führen durch das Lager, durch riesige, verlassene Küchen und entlang verwahrloster Einzäunungen.

Doch ist mit Seaview alles andere entstanden, nur kein schwergängiger, in klassischer Diktion funktionierender Dokumentarfilm. Im Gegenteil!!

Der Dubliner Künstler Paul Rowley ist in den letzten zehn Jahren mit seinen großflächigen Video-Installationen, die in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Künstler David Phillips entstanden, international bekannt geworden. Er hat zusammen mit der Filmemacherin Nicky Gogan nun über einen längeren Zeitraum ein völlig ungewöhnliches Projekt realisiert.

Rowley in einem Interview:

„Als wir zum ersten Mal nach Mosney kamen, um zu recherchieren, die Menschen zu interviewen und um zu verstehen, warum sie alles zurückgelassen hatten und in ein Land gekommen waren, über das sie nichts wussten, stellte ich fest, dass hier mehr zu machen sein würde als ein Videofilm. In gewisser Weise ist der Dokumentarfilm eine natürliche Weiterentwicklung meiner Arbeit. Mit diesem Projekt konnte ich ausprobieren, ob sich die Techniken, die ich im Rahmen meiner Arbeit für Galerien gelernt hatte, auch im Bereich Dokumentarfilm anwenden lassen. Der Film ist in keiner Weise linear erzählt, er enthält nicht die üblichen Interviewpassagen und die gängigen Elemente einer Fernsehdokumentation. Stattdessen verwende ich Elemente aus der Bildenden Kunst.“
Cinema Global
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