Sonntag, 10. März 2013 20.15 Uhr – Montag, 11. März 2013, 18.15 Uhr In meinem Kalender speichern

Come Together. Dresden und der 13. Februar

Filmvorführung.

Vergangene Ereignisse zählen zur Geschichte. Kommt es bei einer Bewertung historischer Begebenheiten zum Streit, dann zeigt es sich, dass die Vergangenheit offenbar noch nicht ganz vergangen ist und in die Gegenwart hineinragt. Dies ist der Fall bei jenem alliierten Bombenangriff, der Dresden am 13. und 14. Februar 1945 zu einer Zeit in Schutt und Asche legte, als der Krieg doch eigentlich schon längst vorüber war: Doch was heißt hier „eigentlich“? Diese spannende Frage stellt
Barbara Lubich ins Zentrum ihres bemerkenswerten Dokumentarfilms, der einen thematischen Bogen von der Nazipropaganda über die ostdeutsche Friedensbewegung bis hin zu den aktuellen Naziaufmärschen spannt.

Barbara Lubich bereitet den Stoff nicht im Stil einer weichgespülten Historiendoku á la Guido Knopp auf. Statt museale Rückblicke mit vergilbten Archivbildern aufzureihen, macht die Regisseurin deutlich, dass die Zerstörung der Sachsennmetropole ein Ereignis ist, um dessen Deutungshoheit seit jeher gekämpft wurde.

Der visuell aufwendig gestaltete Film dokumentiert unter anderem die Blockaden der Gegendemonstranten, die offiziell als Rechtsbrecher gelten. Auf sensible Weise macht der Film deutlich, dass das historische Ereignis, um dessen Deutung sogar im sächsischen Landtag gestritten wird, eine offene Wunde ist. Dies dokumentiert die beeindruckende Szene einer offiziellen Kranzniederlegung auf dem Dresdner Heidefriedhof. Als dabei ein Nazikranz direkt neben einen jüdischen Kranz gelegt wird, kommt es zum Eklat: Geschichtsverdrängung erhält hier eine konkret dingliche Dimension. Mit Bildern dieser Art hält der sperrige und aufschlussreiche Film den Zuschauer über 90 Minuten in Atem.

(Manfred Riepe, EPD-Filmdienst)