Veranstaltung
- Donnerstag, 03. September 2026 16.00 Uhr – Freitag, 04. September 2026, 15.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Das Gerücht über die Anderen #2026
Ökonomische Mythen & Abwertende Narrative im Kapitalismus
Herbstschule mit Film & Gespräch, Werkstattbericht, Vortrag und Gedenkstättenbesuch zu Antisemitismus, Ableismus und Rassismus gegen Sinti* und Roma*
Das Programm der Herbstschule ist stufenlos zugänglich und rollstuhlgerecht. Das Zentralkino, der Bus der Exkursion sowie die Gedenkstätte sind barrierearm zugänglich und ermöglichen eine uneingeschränkte Teilnahme.
In dieser Gegenwart werden Menschen des Menschseins beraubt: Geschliffen werden die erkämpften Arbeitsrechte, die Aufenthaltsrechte, die Daseinsfürsorge, die Gesundheitsversorgung, die Unschuldsvermutung, die Selbstverständlichkeit des Seins.
Die Arbeitsfähigkeit und nicht das Sein misst dem Menschen seine Berechtigung bei. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Der Mensch wird in dem Sinne gegen den Menschen in Stellung gebracht. Das wollen wir theoretisch und am Leben von Menschen in der Geschichte und Gegenwart diskutieren: Wie sind die Traditionslinien im Antisemitismus, Ableismus, Sozialchauvinismus und Rassismus gegen Sinti* und Roma*?
Sozialkürzungen werden oft als „harte Notwendigkeit“ verkauft, sind aber diskriminierungsverschärfende Politik, wenn sie systematisch diejenigen treffen, die bereits weniger Schutz und Anerkennung erfahren. Im Kern geht es dabei um die Frage: Wer wird als „würdig“ konstruiert – und wer nicht? Wer ist Teil der Gemeinschaft und was für eine Gemeinschaft braut sich da zusammen?
Einfache Erklärungen sind gefährlich. Die Herbstschule will einen Ort bieten, um sich nicht in verkürzten und regressiven Argumentationen zu verharren und selbst Teil von Regression, Populismus und Repression zu werden.
Die Herbstschule und die Exkursion bieten Analysen, Reflexion und Raum für Austausch und Organisierung.
TAG 1
Donnerstag: 03.09.26, 16 Uhr - 21 Uhr, Zentralkino · Kraftwerk Mitte 16 · 01067 Dresden
16 Uhr: Begrüßung
16:15 - 18:30 Uhr: Weder bekannt, noch anerkannt
Biografische Recherchen, Film und Gespräch mit der Filmemacherin, Fotografin und Journalistin Allegra Schneider (Bremen) und Leonardo Bajrić (angefragt)
Das erste Panel erinnert der Verfolgung und Vernichtung der Roma* und Sinti* im Nationalsozialismus und verbindet die historische Verfolgung mit den Forderungen nach Bleiberecht und der Kritik an Abschiebungen der Roma* in Europa heute. Das Panel debattiert anhand der Filme "Nur die Wände" (2026) und "Heimweh" (2025) die Situation von Roma*, deren Familienangehörige in Konzentrationslagern verfolgt und ermordet wurden bzw. Zwangsarbeit leisten mussten und heute von Abschiebung bedroht sind - denen Asyl in Deutschland verwehrt ist.
18:30 Uhr: Pause und Snack
19:00-19:30 Uhr: „Aktives Erinnern an Ausgrenzung, Arbeitszwang und Abweichung“
Werkstattbericht der Initiative Riebeckstraße 63, Referenten: Hannes Schneider & Markus Streb
Das Areal der 1892 gegründeten „Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg“ und ihrer Folgeeinrichtungen in der Leipziger Riebeckstraße 63 ist ein bundesweit einzigartiger Ort mit transnationaler Geschichte. Er steht exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen staatlicher Fürsorge und gewaltvoller Ausgrenzung. Über die unterschiedlichen politischen Systeme seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hinweg, verschränkten sich an diesem Ort Sanktionierung abweichenden Verhaltens, Ausgrenzung und willkürliche Gewalt. Diese komplexe Geschichte, deren Leidtragende fast immer marginalisierte Menschen waren, kann anhand der Riebeckstraße 63 erzählt und vermittelt werden. Der Werkstattbericht beleuchtet die Geschichte des Ortes mittels ausgewählter Biografien und stellt die Arbeit der Initiative Riebeckstraße 63 vor.
19:30 -21 Uhr: „Krise, Kapital und Klischees – Antisemitische Bilder in Kapitalismuskritik und Popkultur“
Vortrag von Martin Seng (Politik- und Literaturwissenschaftler, freier Journalist und Bildungsreferent)
Angesichts von globalen Konflikten, sozialer Ungleichheit und Klimakrise wächst das Bedürfnis nach Erklärungen für die Krisen des Kapitalismus. Dabei werden strukturelle Probleme häufig auf vermeintlich mächtige Einzelpersonen oder Gruppen projiziert. Antisemitische Stereotype spielen hierbei bis heute eine zentrale Rolle. Der Vortrag von Martin F. Seng beleuchtet, wie solche Bilder in Film und Popkultur tradiert werden, und analysiert ihre Wirkung anhand ausgewählter Beispiele mit anschließender Diskussion.
Moderation durch den Tag: Madeleine Weis
TAG 2
Freitag, 04.09.26, 9:00 - 15:30 Uhr: Exkursion und Rundgang durch die Gedenkstätte Großschweidnitz mit Christoph Hanzig
Exkursion mit einem Reisebus (berollbar) von Dresden-Neustadt zur Gedenkstätte Großschweidnitz
Die Gedenkstätte Großschweidnitz erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde in der Landesanstalt Großschweidnitz. Über 5500 Frauen, Männer und Kinder wurden durch überdosierte Beruhigungsmittel, Unterernährung und mangelnde Pflege ermordet. Über 2000 Menschen kamen von Großschweidnitz aus in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein und wurden dort getötet.
Seit 2012 bemühte sich der Verein Gedenkstätte Großschweidnitz e. V. mit Unterstützung der Gemeinde Großschweidnitz um die Schaffung eines würdigen Erinnerungsortes an die Opfer der NS-Krankenmorde. Am 13. Mai 2023 konnte die Gedenkstätte Großschweidnitz als Arbeitsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten eingeweiht werden.
Die Dauerausstellung der Gedenkstätte befindet sich im ehemaligen Pathologiegebäude der Landesanstalt Großschweidnitz. Auf dem umliegenden Anstaltsfriedhof erinnern ein Gedenkstein sowie Namenstafeln an die dort bestatteten Menschen, die zwischen 1939 und 1945 Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wurden.
Mittagessen (inklusive vegan)
Anmeldung bis spätestens 31.08.2026: anmeldung@hatikva.de, es ist möglich, nur an einem Tag teilzunehmen, schöner sind natürlich zwei
Eine Veranstaltung in Kooperation von:
HATiKVA - Bildungs- und Begegnungsstätte für Jüdische Geschichte und Kultur e.V. im Rahmen des Innovationsprojekts: Ökonomische Mythen und Projektion - Präventive Bildungsarbeit gegen wirtschaftlich begründeten Antisemitismus und dem Fachnetzwerk Antiziganismus/Antiromaismus bei Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V., sowie der Gedenkstätte Großschweidnitz/Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Mit Unterstützung: der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG) und dem Bündnis gegen Antisemitismus in Dresden und Ostsachsen (BgA)
- Adresse
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▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
- Veranstalter*in
- Landesstiftung Sachsen (Weiterdenken)