Freitag, 11. Mai 2007 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Das Lager als Struktur bundesweiter Flüchtlingspolitik

Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Seit 1980 werden Menschen, die in die Bundesrepublik migrieren und hier einen Asylantrag stellen oder eine Duldung bekommen, in dezentral über das Land verteilte halboffene Lager untergebracht. Weitgehend hinter dem Rücken der Öffentlichkeit werden derzeit immer noch fast 200.000 Menschen dezentral in Lagern verwaltet, entrechtet und gesellschaftlich segregiert und für den Behördenzugriff kontrolliert. Die Lagerunterbringung hat das politische Ziel, die Lebensverhältnisse der hier Unterwünschten herabzusetzen um sie zur ‚freiwilligen’ Aufgabe ihres Flucht- oder Migrationsprojektes zu treiben. Dieses Lagersystem setzt sich aus verschiedenen Lagertypen zusammen – von den zentralen Erstaufnahmelagern, über die zu langfristigen Unterbringung gedachten ‚Gemeinschaftsunterkünfte’, dem neuen Zwischenglied Ausreiseeinrichtung bis hin zu den Abschiebegefängnissen. Neben einer Einführung in die versteckte Empirie dieser Entrechtungsstruktur sollen Fragen nach der gesellschaftstheoretischen Funktion der Lagerunterbringung diskutiert werden: Welche ökonomische Einbettung in die neoliberalen Produktionsverhältnisse lassen sich für das Lagersystem herausarbeiten? Welche ideologietheoretische Funktion können Lager im Rahmen rassistischer Ethnisierungsprozesse übernehmen? Wie lassen sich die neuen Ausreiseeinrichtungen in die sich abzeichnenden Konturen einer neuen Flüchtlingspolitik einordnen? Im Anschluss an die Diskussion wird der Kurzfilm Le Heim D 2005, 15 min, Regie Leona Goldstein und Joseph Guimatsia gezeigt.

Mit:
Tobias Pieper, RLS-Stipendiat, Psychologe und Politikwissenschaftler, promoviert zur Lagerunterbringung in der Bundesrepublik, Lehrbeauftragter an der FU; Moderation: Janeta Mileva
www.rosalux.de