- Freitag, 07. September 2018 18.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Das Licht der Welt
soziokulturelles Theater in der Landesfrauenklinik Hannover der Schneewittchenproduktion
Seit Jahresbeginn arbeiten wir mit Laien auf die Inszenierung hin. Es ist uns gelungen, ca. 70 Menschen zwischen 7 und 74 Jahren zu vereinen, die ihre Geburtsgeschichten szenisch, musikalisch und in Rauminstallationen verarbeitet haben. Weiterhin konnten wir ehemalige Ärzte und Hebammen aus der Klinik gewinnen, die aus ihrem Alltag berichten und auch Teil der Inszenierung sind.
In den labyrinthischen Gängen der Klinik werden die Zuschauer durch ein Panoptikum aus Musik, Rauminstallationen und Schauspiel geführt. Die Spannbreite der Mitwirkenden ist groß: zwischen Opernarien und Poetryslam, zwischen Aktfotografien von Schwangeren und Graffitikunst, zwischen bitterbösen Theaterszenen zum aktuellen Geburtsnotstand in Hannover und sensiblen Psychogrammen über pränatale Depression; zwischen einem termingerechten Kaiserschnitt und einer Hausgeburt.
Zwischen damals und heute, zwischen Leben und Tod bewegt sich der Zuschauer durch das Innere der Klinik.
Die Inszenierung ist ein 2,5 Stunden langer Durchgang durch die Klinik, der nicht Barrierefrei ist. Es gibt eine 30-minütige Pause, in der es Sitzgelegenheiten gibt.
Wir werden pro Abend 75 Zuschauer haben. Mehr sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.
Bitte teilen Sie uns so schnell wie möglich mit, ob und an welchem Tag Sie kommen.
Das gesamte Projekt wird filmisch dokumentiert. Jede Szene, jede Installation, jeder musikalische Act wird ab November auf Youtube, Facebook und Whats App zusehen sein.
Wer sich überraschen lassen möchte, sollte das Folgende hier nicht mehr lesen. Hier kommt ein kurzer Einblick in das Stück, in die Handlung, die Themen, die Performances und Rauminstallationen.
In der Inszenierung springen wir zwischen den Zeiten, der Zuschauer erkennt/ erahnt anhand der Sprache und Kostüme in welcher Zeit wir uns gerade befinden. So wird gleich zu Beginn, im Eingangsbereich eine Schwesternschülerin aus dem 19. Jahrhundert auf eine Oberschwester von heute treffen. Die junge, angehende Hebamme ist aufgeregt, es ist ihr erster Ausbildungstag. Die Oberschwester erklärt ihr, dass die Klinik bereits geschlossen ist und die Geburtsstation auf das Krankenhaus in der Bult verlegt wurde. Die junge Schwester lässt sich nicht abwimmeln, und geht in den Hörsaal, zieht das Publikum mit sich. Im Hörsaal angekommen, wird das Publikum Zeuge, wie die dienstälteste, taube Hebamme (diese gab es wirklich in der Klinik) vom Chefarzt verabschiedet wird. Die 100-jährige Hebammen heißt „Old Mama“ und personalisiert die Landesfrauenklinik. Zu ihren Ehren singt der Hebammenkampfchor, der anstatt nette Lieder, politische Positionen für zukünftige Hebammen schmettert.
Danach wird das Publikum in drei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe wird von einer Hebamme geführt, die andere von einem Arzt, die dritte vom Pflegedienstleiter, der
mittlerweile zum Immobilienverkäufer umgeschult hat. Jeder nimmt seine Gruppe mit auf eine Krankenhausetage. So wird das Publikum auf 3 Etagen durch die riesige Klinik geführt, den Zuschauer begegnen u.a. Theaterszenen:
Mit viel Ironie und schwarzen Humor wird der Geburtsnotstand in Hannover (http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/HAZ-Forum-zur-Hebammenversorgung) und das Übersehenwerden der Mutter im Klinikalltag thematisiert.
Den Zuschauern begegnen auch reale Geschichten, die wir recherchiert haben, wie z.B., eine Frau, die es nicht mehr rechtzeitig in den Kreißsaal geschafft hat und der Arzt einen „Kaiserschnitt" an der Jogginghose der Mutter im Fahrstuhl vornehmen musste, um das Kind „herauszuholen“.
Wir haben für das Projekt die Filmemacherin Katja Baumgarten gewinnen können, die sich entschieden hat, ihr schwer behindertes Kind auszutragen, welches nur ein dreistündiges Leben nach der Geburt hatte. Per Video erzählt sie, in einem Interview, den Zuschauern, warum sie sich dafür entschieden hat. In einem anderen Zimmer werden die Zuschauer Zeuge (auch wieder per Film), wie Nancy Daunheimer, alleine, ohne Hilfe, in ihrem Schlafzimmer ein Kind zur Welt bringt. Kinder einer Ballettschule setzen eine Performance zum Thema „Der erste Atemzug“ um.
Der erste Atemzug gehört zu den kritischsten aber auch magischen Augenblicken eines Neugeborenen, da die Lunge sich zum allerersten Mal und fürs ganze weitere
Leben entfaltet. In einem anderen Zimmer sitzen zwei habilitierte Hebammenforscherinnen, die die bewusste Vernichtung der Akten von 1939 bis 1945 durch die Landesfrauenklinik thematisieren. Sie sitzen inmitten von 300 Aktenordnern und schreddern. Auch musikalische Acts finden ihren Platz. Der schon erwähnte Hebammen Chor besingt die Petition der Hebammen. Eine Harfenistin begleitet das Ballett. Ein Krankenzimmer wird zu finsterem Wald; mittendrin sitzt ein Mädchen, welches ein altes deutsches Küchenlied vorträgt, das mit dem Tod der Verführten bei der Geburt endet. Ein Opernsänger singt ein Kindertotenlied von Gustaf Mahler, inmitten einer Installation von Antje Fink-einer Hebamme, die sich mit Sternenkindern auseinandersetzt. Ein Blasorchester läuft überraschend, als Ärzte verkleidet, durch die Klinik und kommuniziert miteinander und den Patienten und Zuschauern nur über ihre Instrumente. Ein Poetryslam rundet schließlich alles ab.
Zum Schluss, wenn die Zuschauer die Klinik verlassen, werden sie Zeuge, wie sich eine Mutter mit ihrem Neugeborenen aus dem dritten Stock abseilt. Die junge Mutter, steht symbolisch für eine selbstbewusste Frau, die sich von der Klinik/ der Medizin abnabelt.
Und natürlich vieles, vieles mehr....
Das Ziel ist es, dass sich durch viele unterschiedliche Puzzelstücke, dem Zuschauer ein Bild erschließt, welches den Umgang unserer Gesellschaft (auch historisch) mit dem Geburtswesen darstellt. Und dass bei der Geburt nichts sicher ist-nicht mal das Leben.
Die Aufführungen finden am 07.9., 08.9. und 09.9. statt.
Veranstaltungsort: ehemalige Landesfrauenklinik, Hannover, Herrenhäuser Kirschweg 5, Hannover
Veranstalter*innen: Eine Schneewittchenproduktion | Marianne Iser und Thomas Duda
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▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
- Veranstalter*in
- Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen