- Montag, 25. Oktober 2004 – Freitag, 29. Oktober 2004 In meinem Kalender speichern
Der Krieg im Schatten - Russland und Tschetschenien
„Die Welle des Terrors, die Russland
erfasst hat, richtet sich gegen völlig
unschuldige Menschen. Wir sehen mit
Entsetzen, wie hier unsere
pessimistischsten Prognosen Wirklichkeit
werden. In den letzten Jahren haben
VertreterInnen von
Menschenrechtsorganisationen, aber auch
viele Personen des öffentlichen Lebens und
Politiker wiederholt gewarnt: Die
Handlungen der föderalen Macht und der
ihr unterstehenden Streitkräfte in
Tschetschenien sind, so will es scheinen,
bewusst darauf angelegt, den Terror zu
provozieren. Die fehlende
Bereitschaft, auch nur irgendwelche
Schritte in Richtung einer tatsächlichen und
nicht nur dekorativen politischen Beilegung
des Konflikts zu unternehmen, hat zu einer
Stärkung der Position der Extremisten
geführt, von Personen also,
die keine realen politischen Ziele haben,
auf deren Grundlage ein Kompromiss
möglich wäre.", so die
Menschenrechtsorganisation MEMORIAL zu
den schrecklichen Ereignissen in Beslan
Anfang September.<br><br>
Seit fünf Jahren führt Russland Krieg in
Tschetschenien und die Welt schaut
weg. Handelt es sich um
einen „vergessenen Völkermord des 21.
Jahrhunderts" (A. Politkowskaja) oder um
einen legitimen „Kampf gegen den
Terror", wie Präsident Putin behauptet?
<br><br>
Angeblich 96 Prozent der
tschetschenischen Bürger stimmten 2003
für eine im Kreml entworfene
Verfassung, gleichzeitig gehen die
brutalen „Säuberungen" weiter, weiten
sich die Anschläge tschetschenischer
Selbstmordkommandos aus. Proteste
des Europarats bleiben folgenlos. Ein Opfer
des Krieges ist auch die
Zivilgesellschaft in Russland. Nur noch
wenige Journalisten wagen
kritisch zu schreiben. Zeitungen und
Fernsehkanäle wurden geschlossen.
Der Krieg, grausam auf beiden Seiten,
findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit
statt.
<br><br>
Mit:<br>
<b>Alexander Tscherkassow</b>,
Vorstand der russischen
Menschenrechtsorganisation MEMORIAL,
spezialisiert auf die Krisenherde
der zerbrechenden Sowjetunion und die
Menschenrechtssituation in
Tschetschenien, <br><br>
<b>Ekaterina Sokirjanskaja</b>,
Soziologin an der Universität Grosny,
<br><br>
<b>Jens Siegert</b>, Büroleiter der
Heinrich-Böll-Stiftung in Russland, seit
1993 in Moskau Korrespondent für
Zeitungen und Radiosender.
<br><br>
Memorial, seit 1990 Partnerorganisation
der Heinrich-Böll-Stiftung, war bereits zu
Zeiten der Sowjetunion in der
umfassenden Aufarbeitung der
totalitären Vergangenheit des Landes
aktiv. Darüber hinaus machte sich
die Organisation in den letzten Jahren im
schwierigen Demokratisierungsprozess
Russlands als unbeugsame Kritikerin der
Regierungspolitik einen Namen. Das
Menschenrechtszentrum von Memorial
betreibt über Büros in Tschetschenien,
Inguschetien und Dagestan ein
umfassendes Monitoring von
Menschenrechtsverletzungen in der
nordkaukasischen Kriegsregion.
<bR<br>
Dazu ist in Zusammenarbeit mit der Böll-
Stiftung folgendes Buch erschienen: <br>
Hrsg. v. Florian Hassel: Der
Krieg im Schatten - Rußland und
Tschetschenien, Verlag Suhrkamp 2003
<br><br>
<b>Termine: </b><br>
25.10. Rostock, 19:30 Uhr, Haus Böll,
Mühlenstraße 9, Fon: 0381/49
22 184<br><br>
26.10. Dresden, 19:30 Uhr, Haus der
Kirche, Dreikönigskirche, Hauptstr.
23, Fon: 0351/49 43 311<br><br>
27.10. Tübingen, 20:15 Uhr, Deutsch-
Amerikanisches Institut Tübingen,
Karlstr. 3, Fon: 0711/263 394 10,<br><br>
28.10. Bremen, 20.00 Uhr,
Plantage 13, Fon: 0421/35 23 68<br><br>
29.10. Mainz, 19:00 Uhr, IKUZ
(Interkulturelles Zentrum) Mainz,
Rheinallee 3D, Fon: 06131/90 52 64
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin