Dienstag, 27. März 2012 20.15 – 22.15 Uhr In meinem Kalender speichern

Der Literarische Abend

Michail Schischkin: `Venushaar`

Zu Gast bei Hilal Sezgin und Veronika Peters ist Michael Schischkin.

Lesen ist wie eine Bluttransfusion, sagte Michail Schischkin einmal dem „Tagesspiegel“: Ein Buch kann Leben retten, aber auch töten, wenn sich die Blutgruppen von Autor und Leser nicht vertragen. Schreiben als Blutspende fürs leidende Volk – für westliche Ohren
mag das pathetisch klingen.

In Russland hat solch literarischer Heilungsanspruch Tradition. Wo der Staat zum Schinder des eigenen Volkes wurde, blieb es den Schriftstellern überlassen, die Wunden zu behandeln. Für ihren diagnostischen Scharfblick wurden sie ebenso verehrt wie verfolgt.

Letzteres ist Michail Schischkin, geboren 1961 in Moskau, zum Glück erspart geblieben. Seit seinem Erstling von 1993 wurden in Russland alle seine Bücher mit höchsten Auszeichnungen bedacht. Mit
„Venushaar“, einem vielschichtigen Epos über russische Asylanten in der Schweiz, ist ihm nun auch in Deutschland der Durchbruch gelungen.  Im vorigen Jahr erhielt der Roman den Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt. Der Preis zeichnet einen herausragenden, ins Deutsche übersetzten fremdsprachigen Titel der gegenwärtigen internationalen Erzählliteratur und seine Übersetzung aus.