- Donnerstag, 13. Dezember 2007 – Freitag, 14. Dezember 2007 In meinem Kalender speichern
Der Zug der Erinnerung | Am Bahnhof Göttingen
Im November beginnt die Reise eines ganz besonderen Zugs: Der „Zug der Erinnerung“ fährt mehrere Monate lang auf einer Strecke von 3000 Kilometern quer durch Deutschland und endet schließlich an der Gedenkstätte des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. Der Zug steuert Orte an, an denen Kinder und Jugendliche lebten, die im nationalsozialistischen Deutschland verschleppt und ermordet wurden – vor allem Kinder jüdischer Eltern, aber auch von Sinti und Roma oder von Nazi-Gegnern. Eine mobile Ausstellung, die das Deportationsschicksal in mehreren Waggons darstellt, will insbesondere Jugendliche zur Spurensuche nach örtlichen Lebenszeugnissen der mehreren zehntausend deportierten Kinder anregen.
Auf seiner Fahrt kommt der „Zug der Erinnerung“ auch nach Südniedersachsen: Zwischen dem 12. und dem 16. Dezember macht er in Hann. Münden, Göttingen und Northeim Station. Schulklassen aus der Region haben sich an der Erforschung der lokalen Verfolgungsgeschichte beteiligt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind Teil der Ausstellung.
Mehr als 280 Jüdinnen und Juden aus Göttingen und Umgebung wurden im Holocaust umgebracht. Wie in fast jeder deutschen Stadt war dabei auch in Göttingen der örtliche Bahnhof Ausgangspunkt für die Deportationen in die Vernichtungs- und Konzentrationslager des nationalsozialistischen Deutschland. Am 26. März und 21. Juli 1942 brachte die Deutsche Reichsbahn von hier aus insgesamt 110 jüdische Menschen aus Göttingen ins Warschauer Ghetto und ins KZ Theresienstadt. Zuvor hatten die Jüdinnen und Juden mitten durch die Stadt zum Bahnhof marschieren müssen – unter den Augen der Bevölkerung. Fast alle von ihnen wurden ermordet. Nur drei überlebten. Denny Junger, das jüngste Opfer der antisemitischen Verfolgung, war noch nicht einmal vier Jahre alt.
Der „Zug der Erinnerung“ versucht aber nicht nur, den ermordeten Kindern und Jugendlichen ein Gesicht und einen Namen zu geben, sondern es geht auch um das reibungslose bürokratische System, das die Deportationen möglich machte. Es geht um die Verantwortung, die Menschen und Institutionen wie die Reichsbahn und ihr Folgeunternehmen Deutsche Bahn übernehmen müssen. Es ist wichtig, an den Orten an die Deportationen zu erinnern, an denen sie stattgefunden haben – also auch an den Bahnhöfen.
Die Notwendigkeit, sich der eigenen Geschichte und Verantwortung zu stellen, wird von der Deutschen Bahn allem Anschein nach jedoch nicht geteilt. Die Bahn möchte der Millionen Menschen, die durch ihr Vorgängerunternehmen meist in den sicheren Tod transportiert wurden, lieber nicht öffentlich gedenken. Für die Ausstellung „Elftausend Kinder“, die an das Deportationsschicksal der jüdischen Kinder und Jugendlichen erinnerte, wollte das Unternehmen seine Bahnhöfe deshalb nicht öffnen. Trotz heftiger Proteste ist die Deutsche Bahn bis heute bei ihrer hartnäckigen Weigerung geblieben.
Es kann nicht angehen, dass deutsche Unternehmen es von ihrem Gutdünken abhängig machen, ob und wenn ja, wo und wie der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Deswegen fordern wir: Freie Information und offene Erinnerung an die verschleppten Menschen – dort, wo sie ihre letzte Fahrt antreten mussten: auf den Bahnhöfen der Deportationsstrecken.
Weitere Informationen (Website)
Auf seiner Fahrt kommt der „Zug der Erinnerung“ auch nach Südniedersachsen: Zwischen dem 12. und dem 16. Dezember macht er in Hann. Münden, Göttingen und Northeim Station. Schulklassen aus der Region haben sich an der Erforschung der lokalen Verfolgungsgeschichte beteiligt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind Teil der Ausstellung.
Mehr als 280 Jüdinnen und Juden aus Göttingen und Umgebung wurden im Holocaust umgebracht. Wie in fast jeder deutschen Stadt war dabei auch in Göttingen der örtliche Bahnhof Ausgangspunkt für die Deportationen in die Vernichtungs- und Konzentrationslager des nationalsozialistischen Deutschland. Am 26. März und 21. Juli 1942 brachte die Deutsche Reichsbahn von hier aus insgesamt 110 jüdische Menschen aus Göttingen ins Warschauer Ghetto und ins KZ Theresienstadt. Zuvor hatten die Jüdinnen und Juden mitten durch die Stadt zum Bahnhof marschieren müssen – unter den Augen der Bevölkerung. Fast alle von ihnen wurden ermordet. Nur drei überlebten. Denny Junger, das jüngste Opfer der antisemitischen Verfolgung, war noch nicht einmal vier Jahre alt.
Der „Zug der Erinnerung“ versucht aber nicht nur, den ermordeten Kindern und Jugendlichen ein Gesicht und einen Namen zu geben, sondern es geht auch um das reibungslose bürokratische System, das die Deportationen möglich machte. Es geht um die Verantwortung, die Menschen und Institutionen wie die Reichsbahn und ihr Folgeunternehmen Deutsche Bahn übernehmen müssen. Es ist wichtig, an den Orten an die Deportationen zu erinnern, an denen sie stattgefunden haben – also auch an den Bahnhöfen.
Die Notwendigkeit, sich der eigenen Geschichte und Verantwortung zu stellen, wird von der Deutschen Bahn allem Anschein nach jedoch nicht geteilt. Die Bahn möchte der Millionen Menschen, die durch ihr Vorgängerunternehmen meist in den sicheren Tod transportiert wurden, lieber nicht öffentlich gedenken. Für die Ausstellung „Elftausend Kinder“, die an das Deportationsschicksal der jüdischen Kinder und Jugendlichen erinnerte, wollte das Unternehmen seine Bahnhöfe deshalb nicht öffnen. Trotz heftiger Proteste ist die Deutsche Bahn bis heute bei ihrer hartnäckigen Weigerung geblieben.
Es kann nicht angehen, dass deutsche Unternehmen es von ihrem Gutdünken abhängig machen, ob und wenn ja, wo und wie der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Deswegen fordern wir: Freie Information und offene Erinnerung an die verschleppten Menschen – dort, wo sie ihre letzte Fahrt antreten mussten: auf den Bahnhöfen der Deportationsstrecken.
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