- Mittwoch, 21. November 2007 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Dialogforum: Sprachpolitik in Afrika #2 - Ausweitung der Kampfzone
Zur Auseinandersetzung um den Stellenwert afrikanischer und europäischer Sprachen in Bildung und Wissenschaft in Afrika
Schon seit
Jahrzehnten steht die Frage der Sprachwahl in Bildung und Wissenschaft latent
auf der politischen Agenda in Afrika. Teils aus Angst vor dem
Zerfall der nationalen Einheit der künstlich geschaffenen afrikanischen
Staaten, teils aufgrund europäischer und US-amerikanischer sprach- und bildungspolitischer
Interessen wird die Sprachfrage auf die lange Bank geschoben – meist zugunsten
der europäischen, ehemaligen Kolonialsprachen, die auch über 40 Jahre nach der
Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Staaten weiterhin das Bildungs- und
Entwicklungsmedium „par excellence“ bleiben. Zu den europäischen und US-amerikanischen Motiven für diese Sprachpolitik in Afrika zählen u.a. der
Export billiger Lehrbücher, das Pochen auf angeblichen wissenschaftlichen
Standards, die Geringschätzung afrikanischer Sprachen als vormodern und nicht
wissenschaftlich etc. Die ungebrochene Prominenz europäischer Sprachen in
Schule und Universität hat nicht nur hohe Durchfallquoten zur Folge. Die
Sprachen haben hier eine tiefe Kluft geschaffen zwischen der europäisierten Bildungselite
auf der einen, und der großen Masse der Bevölkerung auf der anderen Seite, die
weiterhin mit ihren afrikanischen Muttersprachen leben und arbeiten. Um dieser
Mehrheit der Menschen in Afrika eine größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen,
rief die Afrikanischen Union das Jahr 2006 als Jahr der afrikanischen Sprachen
aus.
Referenten:
Dr. Neville Alexander, Direktor von PRAESA “Project for the Study of Alternative Education in South Africa”, Kapstadt
Prof. Nseme Clédor, Universität von Jaunde, Kamerun
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin