Freitag, 11. Juli 2008 – Sonntag, 13. Juli 2008 In meinem Kalender speichern

Die 68er Bewegung und die Folgen

Die einen sehen sie als einen mutigen und überfälligen Aufbruch in die Moderne, ja sogar als Geburtsstunde einer neuen Freiheit, die anderen als schlimme Verirrung und den Beginn eines „Werteverfalls“, dessen Folgen sich bis heute negativ auswirken. Auch heute noch, 40 Jahre später, ist kaum ein Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte so heftig umstritten und führt nach wie vor zu emotional derart aufgeladenen Diskussionen wie die Bewegung, der das Jahr 1968 ihren Namen gegeben hat.

Das 40. Jubiläumsjahr von 1968 gibt vielerlei Anlass zu Rückblick, Bestandsaufnahme und Ausblick. Fernsehsendungen, Artikelserien in Zeitungen und Zeitschriften, Ausstellungen, Erinnerungsliteratur, „Streitschriften“ von Befürwortern und Gegnern, wissenschaftliche (oder sich zumindest so gebende) Analysen und anderes mehr liefern teils Verklärung, teils Verteufelung und teils das Bemühen um eine differenziert kritische Aufarbeitung. Doch allzu oft werden dabei immer noch die „alten Schlachten“ noch einmal geschlagen und der Erkenntnisgewinn bleibt gering.

In der bundesdeutschen Debatte wird auch häufig unterschlagen, dass 1968 nicht nur hierzulande, sondern global ein überaus bewegtes Jahr war. Der Prager Frühling, der Pariser Mai, die weltweiten Proteste gegen den Vietnamkrieg, die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner in den USA (um nur einige Beispiele zu nennen): all diese unterschiedlichen und irgendwie wohl auch zusammenhängenden Bewegungen kulminierten im Jahr 1968.

Mit unserer Tagung möchten wir den Folgen der 68er-Bewegung in Deutschland in diesem globalen Rahmen nachspüren – mit dem Ziel, eine realistische Einschätzung der konkreten Auswirkungen zu gewinnen. Dabei soll es nicht nur um die Politik im engeren Sinn, sondern auch und vor allem um den gesellschaftlichen und kulturellen „Alltag“ gehen: Veränderungen in Schule und Bildung, das Aufblühen der Popkultur, die Herausbildung neuer Lebens- und Beziehungsformen, die Emanzipation der Frauen sowie Veränderungen in der Rechtskultur, die durch „die 68er“ neu angestoßen, vorangebracht oder auch gebremst wurden.

Im Blick auf diese und weitere Bereiche fragen wir nach dem „Erbe“ von 1968 für Gegenwart und Zukunft: Was ist geblieben? Was sollte weiterentwickelt, was überwunden werden?

Wir laden alle Interessierten herzlich nach Rothenburg o.d.T. ein.

Leiter:
Dr. Christoph Meier, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Gerd Rudel, Petra Kelly Stiftung

Referenten (u.a.):
Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Gitti Hentschel, Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung
Veranstalter*in
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