Gespräch Dienstag, 30. Juni 2020

Die Arbeitsbedingungen auf Großschlachthöfen

Wie ein Relikt aus den Frühzeiten des Kapitalismus

Urheber/in: Bild: © Ajepbah / Wikimedia Commons. All rights reserved.
Datum, Uhrzeit
Di., 30. Juni 2020,
17.00 – 18.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
▶ Online-Veranstaltung

Veranstalter/in
Landesstiftung Hamburg (Umdenken)

Die Arbeitsbedingungen und die oft unzumutbare Unterbringung der Schlachthofarbeiter*innen sind in diesen Monaten durch gehäufte Infizierung mit dem Corona Virus in der öffentlichen Diskussion und ein Umdenken in der Politik scheint sich abzuzeichnen. Das System der ausbeuterischen Werkverträge soll abgeschafft werden.

Appetitlich war das industrielle Schlachten noch nie, aber immer mit maximalen Gewinninteressen verbunden. In Chicago beförderte der riesige Schlachthof Anfang des 20. Jahrhunderts die technische Entwicklung der Eisenbahn und der Kühlindustrie. Aus den dort entwickelten Zerlegungsstraßen machte die Automobilindustrie Produktionsstraßen zum Zusammenbau.

Literatur und Kultur beschäftigten sich sehr eindrücklich mit den ekelerregenden hygienischen Bedingungen und den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen.

Die Hygienedefizite bei der Fleischverarbeitung waren so dramatisch, dass sie auf massiven öffentlichen und politischen Druck verbessert wurden. Bei den Arbeitsbedingungen war das anders, zu viele Menschen waren auf der Suche nach Arbeit. Die Fleischindustrie lebte von der Immigration. Es waren vor allem die Eingewanderten, die diese körperliche Schwerstarbeit leisteten und es kamen ständig neue dazu. Schlecht bezahlt, schnell entlassen, Arbeit im Akkord, ohne die Einhaltung vorgeschriebener Ruhezeiten, nicht versorgt bei Arbeitsunfällen und dazu noch unzureichend untergebracht, waren diese Männer und Frauen die Ärmsten des industriellen Proletariats.

(Das alles lässt sich nachlesen z.B. bei Upton Sinclair, Der Dschungel, oder Berthold Brecht, Die heilige Jungfrau der Schlachthöfe, und es ist Geschichte)

Die industriellen Großschlachthöfe von damals in Chicago, Paris, Kopenhagen oder Hamburg sind heute meist gentrifizierte Viertel.

Die heutigen modernen industriellen Schlachthöfe findet man nicht mehr in den Metropolen, sondern außerhalb von Städten und Dörfern auf dem Land. Wenige Großunternehmen haben sich den europäischen Markt aufgeteilt und eine moderne Wertschöpfungskette etabliert. Diese zeichnet sich durch ein System von Subunternehmern und Werkverträgen für die, vor allem osteuropäischen Arbeitskräfte aus, deren Vertragsbedingungen massiv an die Frühzeiten des Kapitalismus erinnern.

Über das moderne System von Schlachtung und Fleischverarbeitung wollen wir mit Dr. Susanne Uhl, Regionsgeschäftsführerin beim DGB Nord diskutieren.

Moderiert von Antje Möller, ehem. Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft

Die Veranstaltung findet über Zoom statt. Eine Anmeldung mit dem Betreff "Schlachthöfe" ist erforderlich. Bitte eine E-Mail an pz@boell-hamburg.de.

Gefördert von der Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg.