Donnerstag, 13. November 2008 18.15 – 19.45 Uhr In meinem Kalender speichern

Die Funktion der Hochschule(n) im Kapitalismus

Projekt Alternative Denkräume | Ringvorlesung WS 2008/09

Dr. Marcus Hawel, Leibniz Universität Hannover

Die Hochschule als eine staatliche, gesellschaftliche und kapitalistische Agentur erfüllt sowohl einen Auftrag zur Bildung wie zur Ausbildung. Auf die Hochschulen findet ein vermittelter und unmittelbarer Zugriff der politischen Ökonomie statt. Aufgabe und Funktion der Hochschulen in einer antagonistischen Gesellschaft können deshalb grundsätzlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Sie sind ein Kampfplatz antagonistischer, außeruniversitärer Partikularinteressen. Von Zeit zu Zeit gerät das universitäre Ausbildungssystem in die Krise, weil es nicht rechtzeitig auf die sich wandelnden Anforderungen des Kapitals zu reagieren vermag. Dann muß es an die gewandelten ökonomischen Erfordernisse angepaßt werden. Oskar Negt hat diesen Umstand 1976 in seinem Aufsatz `Plädoyer für einen neuen Bildungsbegriff` so erklärt: `Diese mit mehr oder minder großen Phasenverschiebungen in fast allen spätkapitalistischen Ländern auftretende Krise ist vielmehr nur das Symptom einer Gesellschaft, die durch ihre antagonistischen Widersprüche daran gehindert ist, eine von der historischen Entwicklung vorgezeichnete neue Stufe der gesellschaftlichen Elementarbildung (...) in geplanter Weise und auf Massenbasis zu institutionalisieren.` Jene neue Stufe scheine, so Negt, in der Veränderung der Berufsstruktur ebenso durch wie auch in der neuen Vergesellschaftungsqualität der Arbeitskraft. Dies verweist auf die Bildung des gesellschaftlichen Ganzen - wozu auch die Universitäten gehören - im Sinne einer Umstrukturierung gemäß der ökonomischen Anforderungen, denen es unterliegt und schwerfällig hinterherhinkt.
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