Vortragsreihe

Dienstag, 13. November 2018 20.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Vortragsreihe

Die Gesellschaft der Singularitäten und ihre Folgen für politisches Handeln

Reihe: Das Unbehagen in der Kultur des Neoliberalismus

In seinem anregenden Buch "Die Gesellschaft der Singularitäten" spitzt Andreas Reckwitz die Diagnose der wachsenden Individualisierung unserer Gesellschaft zu. Die Suche nach einem eigenen Lebensstil zielt auf das Besondere der persönlichen Präsenz, auf einen Job mit Kreativitätsimage, außeralltägliche Erlebnisse und die Unterscheidung von Anderen mittels Kultur.

Zwar ist die Idee der individuellen Verwirklichung bereits mit dem Beginn der kulturellen Moderne entstanden, doch heute entsteht eine neue Konstellation, bei der drei Faktoren zusammenwirken: Es gibt einen systemischen Wandel der Ökonomie von der Industriewirtschaft hin zu einem kulturellen Kapitalismus, der immer mehr zu einem Markt der Zeichen und Erlebnisse sowie besonderer Konsum-Objekte wird. Der zweite Faktor ist die Entwicklung der Digitalisierung. Die sozialen Medien bilden Plattformen zur Profilierung von Singularitäten, die immer mehr Aufmerksamkeit und Lebenszeit auf sich ziehen. Der dritte Faktor sind die Trägergruppen der neuen Mittelklasse als Produkt von Bildungsexpansion und postmaterialistischem Wertewandel. Sie ist das neue Zentrum einer Gesellschaft, welche die Singularisierung als zentralen Antrieb ihres Lebensstils begreift und stilbildend wird. Die Industriegesellschaft der 1950er bis 70er Jahre mit ihren sozialen Aufstiegskanälen war dagegen deutlich homogener und relativ egalitärer.

Mit der Bildungsexpansion und der neuen Wissens- und Kulturökonomie wird die Mittelschicht sowohl zum dominanten sozialen Milieu wie auch zum zentralen politischen Akteur. Die wachsende Kulturalisierung ist zugleich mit Prozessen der Auf- und Abwertung verbunden und verstärkt Anerkennungs- und Statuspaniken. Was folgt aus der Diagnose einer Gesellschaft der Singularitäten für die Optionen zum politischen Handeln? Im Seminar werden die einzelnen Thesen sorgfältig besprochen und kontrovers vertieft.

Referent: Wolfgang Lenk

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin
Veranstalter*in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Sprache
Deutsch