- Donnerstag, 14. Juni 2007 18.30 – 20.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Die Täter sind unter uns - Über das Schönreden der SED-Diktatur
Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung
Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
War das Unrechtsregime der SED in Ostdeutschland nur ein Kavaliersdelikt? Betrachtet man die Ostalgie-Shows im Fernsehen, den Kultstatus von DDR-Devotionalien oder die öffentliche Verhöhnung ehemaliger Häftlinge durch frühere Stasi-Offiziere, so scheint sich dieses milde Urteil über die zweite deutsche Diktatur durchgesetzt zu haben. Während sich die Täter von einst durch tatkräftige Lobbyarbeit und extensiven Gebrauch von Rechtsmitteln einen auskömmlichen Lebensabend erstritten, werden die Opfer in Deutschland wieder einmal allein gelassen
Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, zieht in seinem neuen Buch „Die Täter sind unter uns“ eine erste kritische Bilanz des Umgangs mit der DDR-Vergangenheit. Wurden die Täter zur Verantwortung gezogen? Werden die Opfer entschädigt und ihr Kampf für Freiheit und Demokratie anerkannt und wertgeschätzt? Seine Erkenntnisse sind ernüchternd: Ehemalige Parteiangehörige reorganisieren sich in schlagkräftigen Vereinen und unter den Jugendlichen herrscht eine erschreckende Unwissenheit über die DDR und ihre Geschichte.
Hubertus Knabe, geb. 1959 ist Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Von 1992 bis 2000 war er in der Forschungsabteilung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (Gauck-Beörde) tätig. Er gehört zu den profiliertesten Historikern der Bundesrepublik, die sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur widmen. Im Propyläen Verlage erschienen „Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen“ (1999), Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien“ (2001), „17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand“ (2003) und „Tag der Befreiung?, Das Kriegsende in Ostdeutschland“ (2005).