Freitag, 10. Juli 2009 20.00 – 00.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Die Unmöglichkeit von Heimat: Uwe Johnsons Grenzgänge

Reihe böll.literatour

Uwe Johnsons erster veröffentlichter Roman „Mutmaßungen über Jakob“ erregt Aufsehen in beiden Teilen Deutschlands. Im Westen wird er von der Kritik überschwänglich gefeiert, in der DDR erregt er Missfallen.
Es ist die Geschichte eines doppelten Grenzgängers: Der Eisenbahner Jakob kann weder in der DDR konfliktfrei leben, noch fühlt er sich in der BRD wohl. Mehr gedrängt als freiwillig übersiedelt Johnson 1959 nach Berlin-West.

Johnson gilt als der „Dichter beider Deutschland“. Er war ein mutiger Mensch und ein hoch gelobter Schriftsteller, dessen Bücher die Problematik von Deutschen in ihrer zweigeteilten Heimat schildern. Weniger der Umstand, dass er sich dem Diktat des in der DDR streng gehandhabten `Sozialistischen Realismus` entzog, auch nicht, dass er unter den Augen des Geheimdienstes an seiner Geschichte weiterschrieb (erst als der Roman fertig war, ging er nach Westberlin), obwohl damals, 1957-58, die `Verhaftungen anhielten wie ein Wetter`, sondern die Radikalität und Konsequenz seiner ästhetischen Entscheidung sind es, die heute noch Staunen hervorrufen.
In das Jahr 2009 fallen zwei Gedenktage für Uwe Johnson: Am 23. Februar war sein 25. Todestag, der 20. Juli 2009 ist sein 75. Geburtstag.
Norbert Mecklenburg, einer der besten Johnson-Kenner, erinnert an diesen großen Schriftsteller, an das Poetische und Dokumentarische in Johnsons Prosa, an seine besondere Art interkulturellen Erzählens. Norbert Mecklenburg ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Köln.

Mit:
Prof. Norbert Mecklenburg
Margarethe von Trotta (angefragt)
Kathrin Röggla

Moderation:
Daniel Schreiber