Mittwoch, 29. Oktober 2008 19.00 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern

Drogen, Dollar, Demokratie II

Herausforderungen durch den Drogenhandel in Zeiten der Globalisierung am Beispiel Brasiliens

Die jährlichen Umsätze des internationalen Drogenhandels liegen im dreistelligen Milliardenbereich. Sein wirtschaftlicher Umfang entspricht damit dem des Waffen- bzw. Menschenhandels.
Durch die Globalisierung haben sich Produktionsstätten und Handelsrouten diversifiziert und Machtstrukturen verschoben. Das organisierte Verbrechen nutzt zunehmend - und manchmal effektiver als die legale Wirtschaft - die Möglichkeiten der Handelsliberalisierung im Rahmen der freien Marktwirtschaft.

Der im März 2008 vom UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung vorgelegte Bericht zeigt, dass die Herstellung und der Verkauf von Drogen bislang nicht zurückgedrängt werden konnten. Im Frühjahr 2009 wollen die Vereinten Nationen über ihre zukünftige Drogenpolitik entscheiden. In den aktuellen nationalen und internationalen Sicherheitsdebatten bekommt die Stärkung der Staaten dabei einen neuen Stellenwert.
Die ungeheuren finanziellen Mittel im Drogengeschäft öffnen via Korruption Wege in Polizei, Militär und Politik, auch in großen, als stabil geltenden Staaten. Verbrechernetzwerke etablieren sich in den für den Handel relevanten Regionen als mächtige Interessengruppen. Bürgerinnen und Bürger erleben, dass sich „ihre` Politiker den Wählern zunehmend weniger verpflichtet fühlen.

In den Regionen, die aktiv in den Drogenhandel involviert sind, ist gerade für mittel- und damit chancenlose Jugendliche das Drogengeschäft die Möglichkeit schnell zu viel Geld und (zumindest über die eigene Waffe) zu Macht zu kommen. Die stark bewaffneten Dealerkartelle stellen an den Umschlagplätzen zunehmend eine Gefährdung auch der nicht involvierten Bevölkerung dar. Es entstehen parallele Machtstrukturen, die das Gewaltmonopol des Staates unterminieren.

Drogenhandel in Amazonien. Wie stark gefährden korrupte und klientelistische Strukturen die Demokratie?
Dr. Regine Schönenberg (Politikwissenschaftlerin, Berlin)

Parallele Machtstrukturen in den Großstädten: Bekämpfung von Drogenkriminalität zwischen `harter Hand` und Qualifizierung der Polizei.
Dr. Ignacio Cano (Laboratorio de Análise da Violencia, UERJ, Rio de Janeiro)

Moderation:
Sven Hilbig, Referent EU - Mercosur, Heinrich-Böll-Stiftung