- Sonntag, 29. Mai 2011 – Sonntag, 31. Juli 2011 In meinem Kalender speichern
Emmy und Werner Scholem - im Kampf zwischen Utopie und Gegenrevolution | Ausstellung & Eröffnung
Werner Scholem, aus wohlhabendem jüdischen Elternhaus in Berlin, der aus dem Milieu ausbricht - Emmy Wiechelt, protestantisches Arbeitermädchen aus Hannover-Linden, treffen sich in der sozialistischen Arbeiterjugend, träumen von der Revolution und einer besseren Welt. Sie heiraten 1917 heimlich in Hannover.
Nach dem Ersten Weltkrieg wird Werner Scholem zunächst Bürgervorsteher für die USPD in Linden (heute ein Stadtteil von Hannover), später arbeiten beide für die KPD. Werner bricht das Studium der Geschichte in Göttingen und später in Halle ab und wird „Berufsrevolutionär“. Er ist Mitglied des Preußischen Landtages und des Reichstages 1924-28 und Organisationsleiter der KPD.
1926 werden Werner und Emmy wegen ihrer unbeugsamen Ablehnung des Stalinismus aus der KPD ausgeschlossen. Emmy ernährt nun als kaufmännische Angestellte die Familie und ermöglicht Werner ein Jurastudium, das er 1931 abschließt. Das II. Staatsexamen verhindern die Nazis: Es war alles „völlig vergebens“, wie er seinem Bruder Gershom Scholem nach Jerusalem schreibt.
Nach Hitlers Machtübernahme 1933 werden Emmy und Werner Scholem wegen „Spionage und Wehrkraftzersetzung“ verhaftet. Werner, obwohl freigesprochen, muss eine jahrelange Odyssee durch Gefängnisse und KZ-Lager erdulden, bis er im Juli 1940 im KZ Buchenwald „auf der Flucht erschossen“ wird.
Emmy kann 1934 während eines Hafturlaubs fliehen und die gemeinsamen Töchter Edith und Renee ins Exil nach England retten. Nach Kriegsende kehrte sie nach Deutschland zurück und starb 1970 in Hannover. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hannover-Bothfeld beerdigt.
Die Ausstellung zeigt zahlreiche Bilddokumente und Quellen aus dem Familien-Archiv und macht damit zugleich ein vergessenes Kapitel Lindener und Hannoveraner Lokalgeschichte sichtbar. Sie wird von Renée Goddard eröffnet, Tochter von Werner und Emmy Scholem. Geboren 1923 in Berlin wuchs sie in Hannover auf, bevor sie mit ihrer Mutter ins Exil ging. Nach einer erfolgreichen Karriere als Schauspielerin war sie in den 50ern eine der Pionierinnen des Fernsehens. Heute lebt sie mit ihrem Mann Hanno Fry in Sussex, England. Herr Fry wird bei der Veranstaltung ebenfalls anwesend sein.
Programm
- 11:00 Uhr Begrüßung Heinz-Jörgen Kunze-v. Hardenberg, Quartier e.V.
- 11:15 Uhr Ralf Hoffrogge, Historiker, Berlin Leben und Kampf von Emmy und Werner Scholem
- 11:45 Uhr Renee Goddard im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Buckmiller
- ab ca. 12:15 Uhr Rundgang durch die Ausstellung und kleiner Imbiss
- Veranstalter*in
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