- Donnerstag, 31. August 2006 – Sonntag, 03. September 2006 In meinem Kalender speichern
Erfahrung Denken
12. Symposium der Internationalen Assoziation von Philsophinnen (IAPh) in Rom
Das <b>XII. Symposium der Internationalen
Assoziation von Philosophinnen</b> findet
in Rom statt. Dies gibt uns zum einen die
Gelegenheit, die geopolitische Lage
Italiens hervorzuheben. In der Mitte des
Mittelmeers, nahe an Afrika sowie den
Ländern des Ostens liegend, ist Italien
besonders geeignet, das Verständnis der
Idee von Europa zu erweitern. Zum anderen
wollen wir die besondere Entwicklung des
<b>Feminismus in Italien</b> betonen. Diese
Besonderheit besteht darin, dass die
Politik und das Denken der Frauen nicht der
Bewegung "vom Feminismus in die
Institutionen" folgt, die in vielen anderen
Ländern den Weg bereitet hat für die
Einrichtung von Women’s oder Gender
Studies. In Italien waren Feministinnen
fähig, die Kompetenz und Autorität des
Denkens solcher Frauen anzuerkennen, die an
zahlreichen Orten außerhalb des
Akademischen tätig sind: in den
Gewerkschaften, den Vereinen, der
öffentlichen Verwaltung, in Krankenhäusern,
in den Medien, in Unternehmen. Die
Aufforderung, sich am Symposium zu
beteiligen, ergeht aus diesem Grund nicht
nur an Philosophinnen innerhalb der
Universität, sondern an alle "Frauen des
Denkens", an alle diejenigen, die den Sinn
ihrer Tätigkeiten zu reflektieren und
darzustellen wissen, wo auch immer sie sich
befinden.<br>
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Sobald <b>feministische Diskurse</b> zu reinen
Kulturtheorien werden, laufen sie Gefahr
abstrakt und künstlich zu werden. Denken
wird dann zur bloßen Übung, Konzepte zu
erstellen oder sich mit den herrschenden
Theorien zu verbinden. Wir erwarten mehr
von diesem Symposium. Die Frauen, die in
akademischen Institutionen arbeiten, bitten
wir, zu zeigen, wie sie ihre Arbeit
tatsächlich tun – in der Lehre, in der
Theorie, in allen Beziehungen und
Situationen, die ihnen begegnen.
Allgemeiner gesprochen wollen wir die
Überraschungen – Verhaltensweisen,
Aktionen, Leidenschaften – würdigen, die
die Erfahrung den herrschenden Ordnungen
des Denkens bereitet. Ein in der Erfahrung
verwurzelter Diskurs hat die Kraft, Dinge
zu verändern. Wir wissen, dass
feministische Worte bereits politische
Wirkung hatten und viele wichtige Dinge
innerhalb von Gesellschaft und Kultur
verändert haben. Wie ist dies möglich
gewesen? Wie konnte die Erfahrung selbst zu
einer politischen Kraft werden? Eine erste
Antwort finden wir in der Praxis des "von
sich selbst Ausgehens" (pratica del partire
da se), in der die Worte sich auf das
eigene Umfeld beziehen, auf die eigenen
Beziehungen und Grenzen, dabei jedoch nicht
nur auf subjektive Angelegenheiten
beschränkt bleiben. Das Wort "Ausgehen"
(partire) bedeutet sowohl Anfangen als
auch Verlassen. Denn erst wenn man sich auf
die konkreten Bedingungen bezieht und auf
die Arbeit des Denkens, die diese
Bedingungen verlangen, entwickeln die Worte
ihre Fähigkeit zur Verständigung zu dienen
und die einzelne Situation zu überwinden.<br>
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Die politische Forderung des italienischen
Symposiums lautet, <b>Erfahrung weiter zu
denken</b>, um neue politische Praktiken und
Verhaltensweisen zu entwickeln, die fähig
sind, die Welt in der wir leben zu
verwandeln.<br>
Flyer in Deutsch (PDF)