Montag, 24. Oktober 2005 18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Ernstfall Demokratie

Fundstücke für eine politische Kultur in Deutschland

Soviel Anfang war nie: Trotz Kriegsschuld und Niederlage beflügelte nach Kriegsende viele Deutsche ein zukunftsorientiertes, positives Gefühl. Staat war in Deutschland nicht zu machen. Wenn etwas werden sollte, musste man sich selber kümmern.<br> <br> Soviel Staat war nie: Heute glauben selbst gut ausgebildete junge Deutsche häufig, Gesellschaft und Staat seien dasselbe und die politisch Verantwortlichen sollten ihrer Verantwortung besser nachkommen. <br> <br> Die (west-)deutsche Demokratie hat ihren Weg gemacht, weil sie vernünftig und funktionsfähig war, unterfüttert durch Wirtschaftswunder und Sozialstaat. Nun hat die Politik nicht länger Überschüsse zu verteilen. Fällt die Demokratie vom Gaben- auf den Opfertisch? Der Vertrauensverlust in Politik, Politiker, Parteien und Institutionen ist unübersehbar. Gefragt wird, ob der Staat mit seinen demokratischen Institutionen und Strukturen den Herausforderungen der heutigen Welt gewachsen ist. Ist die Frage nicht aber falsch gestellt? Woher rührt die Staatsgläubigkeit in Deutschland, ein Phänomen in West und Ost? Was heißt Bürgergesellschaft, und wie kommt sie zustande? Muss Demokratie nicht ständig neu gelernt und gelebt werden, und braucht sie nicht eine Demokratisierung der Demokratie? <br> <br> Woher kommen wir, wohin gehen wir?<br> <br> Das amerikanische Modell der Zivilgesellschaft, dessen Erfolg bis heute herbeigeredet wird, hat sich gerade nicht durchsetzen können in Deutschland. Was aber lief hier anders, im Westen und im Osten? Was von der amerikanischen Auffassung steht unabgegolten auf der Tagesordnung, was von der deutschen Erfahrung hält kritischer Befragung stand? <br> <br> Film hat einiges davon aufbewahrt, nicht zuletzt deshalb, weil er beteiligt war bei den Auseinandersetzungen um die Selbstbestimmung der Menschen nach dem Ende der Nazi-Diktatur. <br> <br> Nicht um Neuschreibung von Geschichte geht es, sondern um Beobachtung, woraus sich die Grundlegung von Demokratie in Deutschland speiste, was sie gefährdete und woran sie gegebenenfalls scheiterte: Probat auf die Zeugniskraft von Film, Experiment auf die Tauglichkeit von Begriffen, Anlass für eine Debatte, die auf den Kern der Dinge zu kommen sucht. <br> <br> "Die Demokratie muß für ihre Stimulantien selber aufkommen." (Christoph Dieckmann, 2004)<br>
Filmmuseum Potsdam
Veranstalter*in
Landesstiftung Brandenburg