Sonntag, 17. Juli 2005 16.00 – 18.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Erzählte Geschichte – Geschichten Erzählen

Jens Bisky und Martin M. Šimecka

Der eine, ein vermeintlich Angepasster, der sich, ohne größer aufzufallen, durch den DDR-Alltag bewegte. Der andere, ein gesellschaftlicher Außenseiter, von der Staatsmacht der CSSR verfolgt und gegängelt. Jens Bisky trifft Martin M. Šimecka. Ein Gespräch über damals und heute. Mit seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Geboren am 13. August“ wagt Jens Bisky einen umfangreichen Rückblick auf seine Jugend in der ehemaligen DDR. Schule und Armee, Szene und Partei - Widersprüche und Normalitäten im Leben eines Jugendlichen und jungen Mannes autobiografisch beschrieben. Martin M. Šimecka hat seine Jugenderfahrungen in einem Roman verarbeitet: „The Year of the Frog“ erschien bereits Anfang der 90er Jahre, ein Leben im literarischen Underground. Jens Bisky, der Sohn des PDS-Politikers Lothar Bisky, erzählt in seinem Buch wie er als Kind und Jugendlicher ganz selbstverständlich in die Organisationen der Jugendgruppen und der Partei, der SED, eintrat und wie er sich ganz selbstverständlich in die DDR-Gesellschaft einfügte, zur Armee ging und eine Karriere vor sich hatte. Langsam kamen ihm Zweifel aber zunächst war für ihn vieles selbstverständlich. Martin M Šimecka war dieser Weg von vorneherein verbaut. Als Sohn von Milan Šimecka, eines der bekanntesten Oppositionellen der CSSR, war ihm gesellschaftliche Anerkennung und Aufstieg versagt. Er war der geborene Außenseiter. Beobachtet von der Staatsicherheit, immer unter Kontrolle, fühlte er sich doch zugleich in einem gewissen Sinne frei von gesellschaftlichen Zwängen. Šimecka schrieb Texte für Untergrund-Zeitungen, den Samizdat. Und weil er nicht studieren durfte und schon als Jugendlicher in die Produktion musste, waren seine Lehrer die Illegalen, die im offiziellen Leben keine Stimme hatten: bekannte tschechoslowakische Schriftsteller aus dem Umfeld der oppositionellen Charta '77. Heute sind Bisky und Šimecka beide Journalisten, Bisky ist Feuilleton-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung in München, Šimecka Chefredakteur von SME in Bratislava, einer der größten Tageszeitungen der Slowakei. Um ihre unterschiedlichen Erfahrungen als Jugendliche im Sozialismus und um ihre Träume und Wünsche damals und heute soll an diesem Nachmittag gehen.
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg
Veranstalter*in
Landesstiftung Brandenburg