Sonntag, 27. November 2005 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Flucht ohne Ausweg

Zur Lage der tschetschenischen Flüchtlinge in Polen und den EU-Verordnungen Dublin II

Lieber Muslim...<br> so beginnt das Tagebuch von Sacita, das sie ihrem kleinen Sohn Muslim schreibt. Er soll einmal verstehen, was seine Eltern in Tschetschenien im Krieg erlebt haben, warum sie nach Polen geflohen sind.<br><br> Der Film entstand im Rahmen eines einjährigen Studienaufenthalts der Regisseurin Kerstin Nickig an der Staatlichen Filmhochschule in Lodz in Zusammenarbeit mit der ebenfalls dort studierenden deutsch-polnischen Kamerafrau Alicja Pahl und einem polnisch-deutschen Team. Im Rahmen der Dreharbeiten besuchten Regisseurin und Kamerafrau über 6 Monate hinweg immer wieder die Protagonisten im Flüchtlingsheim.<br><br> Der Dokumentarfilm schildert anhand von Bilddokumenten, Erzählungen und dem Tagebuch ein nahes Portrait der Familie und deren persönliche Kriegsgeschichte.<br><br> Im Anschluss an den Film wird die Lage der mehr als 8000 tschetschenischen Flüchtlinge in Polen geschildert. Polen, selbst unter Armut und großer Arbeitslosigkeit leidend, ist mit dieser Situation völlig überfordert. Die Flüchtlinge bleiben sich in Gefängnissen und Lagern unter unvorstellbaren Umständen selbst überlassen. Mit Hungerstreiks und Protestaktionen versuchten sie mehrmals, auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen. Durch die Gesetzesverordnung "Dublin II" und seit dem EU-Beitritt Polens im Mai 2004 wird Flüchtlingen die Weiterreise in ein anderes EU-Land untersagt. In einem Beitrag von einer Mitarbeiterin des Bielefelder Flüchtlingsrats werden die Konsequenzen der rigorosen Anwendung von den Dublin II-Verordnungen dargestellt.<br><br> Im Anschluss Diskussion mit den anwesenden Gästen:<br> Kerstin Nickig (Regisseurin), Sacita aus Tschetschenien und einer Vertreterin des Bielefelder Flüchtlingsrats<br><br> Kerstin Nickig erhielt im September auf der Ludwigsburger Kurzfilmbiennnale eine Auszeichnung für diesen Dokumentarfilm.
Petra-Kelly-Stiftung
Veranstalter*in
Petra-Kelly-Stiftung