- Donnerstag, 14. Juli 2005 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Frankreichs ungleiche Brüder und der Preis der Freiheit
Afrikanische Kriegsveteranen zwischen öffentlichem Gedenken und schmerzlichen Erinnerungen
Vortrag mit Diskussion (Buchpremiere)
<br><br>
Mit: <b>Prof. Dr. Brigitte Reinwald</b>,
Universität Hannover<br>
Moderation: <b>PD Dr. Achim von
Oppen</b>, Vizedirektor des Zentrum
Moderner Orient <br><br>
<b>Abstract</b><br>
Von Dr. Brigitte Reinwald<br><br>
Insgesamt etwa eine halbe Million Männer
aus Frankreichs Kolonien in West- und
Zentralafrika haben als Wehrpflichtige an
den beiden Weltkriegen und den
anschließenden Kolonialkriegen auf
Madagaskar (1947-1948), in Indochina
(1945-1954) und Algerien (1954-1962)
teilgenommen. Die bis heute nicht
eingelösten Forderungen afrikanischer
Veteranen nach Gleichstellung mit ihren
französischen Kameraden in Fragen der
Alters- und Invaliditätsrenten machen
deutlich, dass dieses Kapitel der
französischen Kolonialgeschichte noch
nicht abgeschlossen ist. Eng damit
verknüpft, haben sich die massenhaften,
überwiegend erzwungenen Fremdeinsätze
für die ehemalige koloniale Muttermacht
aber auch in die frankoafrikanische
Gedächtnis- und Gedenklandschaft
eingegraben. Während Denkmäler und
öffentliche Gedenkreden Bilder vom
treuen „Senegalschützen“ und loyalen
Veteranen heraufbeschwören, entsteht aus
den Erinnerungen der ehemaligen Soldaten
an die Umstände ihrer Entlassung ins
Zivilleben ein weitaus weniger
harmonisches Bild, gekennzeichnet durch
machtpolitisches Kalkül und repressiven
Umgang mit den Rückkehrern.
Am Beispiel dieser konkurrierenden, aber
in enger wechselseitiger Beziehung
stehenden Formen des Gedenkens und
Erinnerns will der Vortrag zeigen, wie
jenes Kapitel der gemeinsamen, aber
problematischen frankoafrikanischen
Geschichte aufgearbeitet wird. Dabei soll
über die „Kriegsgeschichten“ hinaus
erörtert werden, wie sich westafrikanische
Bevölkerungen mit der europäischen
Kolonisation auseinandersetzen und welche
Rolle ehemalige Soldaten im Prozess der
postkolonialen Staatsbildung spiel(t)en.
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin