- Dienstag, 05. April 2005 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Freiheit, Souveränität und Unabhängigkeit
Libanon im Wandel - Syrien unter Druck
Mit: <br>
<b>Shaban Abboud</b>,
Korrespondent der arabischen
Tageszeitung An-Nahar in Damaskus<br>
<b>Ziad Majed</b>,
Politologe und Vize-Präsident der
Demokratischen Linken, Beirut<br>
<b>Marcel Pott</b>, langjähriger Nahost-
Korrespondent der ARD, Köln<br>
Moderation: <b>Sonja Hegazy</b>,
Islamwissenschaftlerin, Zentrum
Moderner Orient, Berlin<br><br>
Seit dem mörderischen Attentat auf Ex-
Premier Rafik Hariri ist Bewegung in die
politische Landschaft des Libanon
gekommen: Massenproteste, die sich
gegen die Präsenz der syrischen Armee
und Geheimdienste im Libanon richteten,
führten am 28. Februar überraschend zum
Rücktritt der Regierung. 10 Tage später
wurde Omar Karameh jedoch erneut von
Präsident Lahoud berufen und mit der
Bildung einer Übergangsregierung
beauftragt, die die Wahlen im Mai
organisieren soll.
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„Freiheit, Souveränität und
Unabhängigkeit!“
fordern hingegen Woche für Woche
Hunderttausende auf den Straßen der
Innenstadt Beiruts. Auch die Opposition
lehnt Karameh’s Angebot zu einer
„Nationalen Einheitsregierung“ ab. Massive
Demonstrationen der Hisbollah haben
mittlerweile aber weitere politische
Gegensätze aufgezeigt, die nur im
nationalen Dialog zu lösen sind. Entgegen
den Befürchtungen, der Libanon könne
angesichts der massiven öffentlichen
Proteste und offenkundiger politischer
Polarisierung in Chaos und Gewalt
zurückfallen, ist die Situation bisher
weitgehend friedlich geblieben. Die
Kreativität und Toleranz, mit der die
überwiegend jungen Oppositionsanhänger
ihren Protest zum Ausdruck bringen, gibt
allen Grund zur Hoffnung auf einen Wandel
im Libanon...<br><br>
Der Ausgangspunkt für diesen Wandel sind
freie Wahlen und die Bildung einer
Regierung, die den Willen der Wählerinnen
und Wähler nicht mehr missachten kann.
Auch wenn noch ungewiss ist, ob es dazu
kommt, bliebe eine derartige Entwicklung
nicht ohne Einfluss auf den Nachbarn
Syrien und weitere Staaten der Region.
Politischer Druck - vor allem durch die USA
und Frankreich - zur Umsetzung der UN-
Resolution 1559 veranlassten den
syrischen Präsidenten Bashar al Assad,
den geforderten Rückzug von Armee und
Geheimdienst aus dem Libanon nicht
nur anzukündigen, sondern konkret zu
beginnen.<br><br>
Die syrischen Truppen aus dem nördlichen
und südlichen Libanon sind in die
ostlibanesische Bekaaebene, teilweise
schon über die Grenze verlegt worden, der
Geheimdienst hat seine Präsenz in Beirut
reduziert. Der vollständige Rückzug noch
vor den Parlamentswahlen im Libanon
scheint mehr als sicher. Optimistische
BeobachterInnen hoffen überdies, dass
der „Wind des Wandels“ schließlich
auch das nun international geächtete
Syrien erreichen könnte. Pessimistische
Stimmen sprechen von der Gefahr einer
zunehmenden Isolation oder gar
drohender militärischer Intervention.
Über die aktuelle politische Situation und
die Entwicklungen im Libanon wie auch in
Syrien, die Perspektiven der Beziehungen
zwischen beiden Ländern sowie die
Auswirkungen des Wandels auf
die Region diskutieren unsere Gäste an
diesen Abend.
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin