Mittwoch, 10. Mai 2006 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Generation Praktikum und prekäre Arbeitsverhältnisse

Die soziale Angst ist in der Mittelschicht angekommen. Bis in die neunziger Jahre galt für die jungen Gebildeten das Versprechen der Sicherheit und des Aufstiegs. Angespornt durch die Dynamik von Wissensgesellschaft und den Start-up- Boom strebte man einer rosigen Zukunft entgegen.<BR><BR> Inzwischen ist die Blase geplatzt und aus der „Generation Golf“ wurde die „Generation Praktikum“. Gerade in den jüngeren Altersgruppen nehmen befristete, schlecht oder gar nicht bezahlte Beschäftigungsverhältnisse überdurchschnittlich zu. Uni- AbsolventInnen machen ein unbezahltes Praktikum nach dem anderen. Zu dem Skandal einer tradierten sozialen Exklusion am unteren Rand unserer Gesellschaft kommt die neue soziale Frage einer sozialen Mobilität nach unten und einer Prekarisierung der Lebensverhältnisse. <BR><BR> Die politischen Antworten auf die neue sozialen Frage sind rar und kontrovers. Während die einen ihr Heil im traditionellen Sozialstaat suchen, forcieren andere das Credo der Deregulierung. Dazwischen liegt ein dritter Weg, der eine neue, gerechtere Konstruktion des Sozialstaats versucht und gleichzeitig um die Interessenskonflikte mit den Etablierten und ihren klassischen Interessensverbänden weiß.<BR><BR> In der Studentenrevolte in Frankreich kam die soziale Angst der Jungen zum Ausdruck und wurde zum gesellschaftlichen Thema. Dort sollte die Probezeit bei Neueinstellungen auf 24 Monate erweitert werden. Alle unter 26 Jährigen hätten von ihrem Arbeitgeber ohne Grund, innerhalb von zwei Jahren gekündigt werden können. Aufgrund massiver Proteste wurde das Gesetz wieder zurückgezogen. <BR><BR> Und was ist mit Deutschland? Der Frage der prekären Lebenssituationen und entsprechender Lösungsansätze schlummert vor sich hin. Auch die große Koalition hat eine ähnliche Änderung des Kündigungsschutzes geplant. Ohne gesellschaftliche Resonanz. Eine Jugend im Dornröschenschlaf? Oder die angemessene Nüchternheit der „Generation Reform“? Eine Anstiftung zur Auseinandersetzung.