Donnerstag, 11. Dezember 2008 18.15 – 19.45 Uhr In meinem Kalender speichern

Gouvernementalität und „unternehmerisches Selbst“ – Flexibilität, Kreativität und Eigenverantwortlichkeit als neoliberale Dogmen

Projekt Alternative Denkräume | Ringvorlesung WS 2008/09

Lars Gertenbach, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Flexibilität und Kreativität gelten als die kategorischen Imperative der Gegenwart. Folgt man verschiedenen Analysen zu den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen, dann sind dies zugleich die zentralen Leitlinien einer gegenwärtigen »neoliberalen Umstrukturierung des Sozialen«, von der zunehmend auch die Hochschule betroffen ist. Als Kennzeichen dafür gelten nicht nur die flächendeckend eingeführten BA/MA-Studiengänge, sondern auch die zahlreichen Hochschul- und Forschungsrankings, die Umstellung der Bewertung der Forschungsqualität an der Anzahl eingeworbener Drittmittel wie auch die steten Evaluationen der Lehre. Auch aufseiten der Studierenden und DozentInnen erscheint dies kaum anders; sie werden in Situationen versetzt, in der jede/r ihren/seinen eigenen »Arbeitskraftunternehmer« bildet, der sein/ihr eigenes »Humankapital« optimal managen soll und in ihre/seine eigene Bildung »investiert«. Das »unternehmerische Selbst« ist zum Inbegriff dieser neuen politischen Rationalität geworden. Dass all diese Aspekte – wie die Studierendenproteste deutschlandweit verkündeten – auf eine zunehmende »Verwarenförmigung der Bildung« hinauslaufen, ist nicht gänzlich falsch. Gleichzeitig scheint dies jedoch nur ein Aspekt eines allgemeinen gesellschaftlichen Wandels zu sein, der über eine Herstellung von Wettbewerbs- und Konkurrenzverhältnissen diejenigen sozialen Bereiche ergreift und umstrukturiert, die bisher noch nicht marktförmig organisiert waren.

Was es mit all diesen Veränderungen auf sich hat, welcher politischen Logik sie folgen, was daran »neoliberal« ist und welche (paradoxe) Situation sich dabei für die – notwendigerweise ebenfalls Autonomie einfordernde – emanzipatorische Kritik ergibt, soll im Vortrag erläutert werden. Da sich das an Michel Foucault angelehnte Konzept der »Gouvernementalität« hier als besonders ertragreich erwiesen hat, soll dies zunächst eingehender vorgestellt werden. Erst im Anschluss daran kann sinnvoll auf die genaue Kontur des Neoliberalismus eingegangen werden, bevor abschließend die Frage aufzuwerfen ist, wie und an welcher Stelle überhaupt eine Kritik hieran sinnvoll formuliert werden kann.

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