- Mittwoch, 08. März 2006 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Grenzgänge: No Body is Perfect
Der Umbau des menschlichen Körpers
Medizinische Techniken, die eine
nicht-krankheitsbezogene Behandlung und
Manipulation menschlicher Natur bewirken,
nehmen auffallend zu: Schönheitschirurgie,
Anti-Aging-Programme, Lifestyle
Psychopharmaka, neurologische
»Hirnschrittmacher«, Doping, gentechnische
Verbesserungen. Aktives Life-Styling soll
eine gezielte Manipulation, Modifikation
und Potenzierung des menschlichen Körpers
bewirken. Der Patient wird mehr und mehr
zum Kunden, der Arzt zum Dienstleister, aus
Therapie wird »Enhancement«.<br><br>
Zweifelsohne belehren uns kulturhistorische
und ethnologische Studien darüber, dass es
zu allen Zeiten und in allen Kulturen
Techniken der Körperzüchtigung und -zierde
gegeben hat. Dennoch ist es offensichtlich,
dass der derzeitige Zuwachs entsprechender
Praktiken ein bisher nicht gekanntes Ausmaß
angenommen hat. Wie lässt sich der zu
beobachtende Zuwachs an perfektionierenden
Körpermanipulationen an die kulturelle und
sozioökonomische Lage rückkoppeln, mit der
sich spätmoderne Individuen nach der
Jahrtausendwende konfrontiert sehen? Dem
vermeintlichen Zuwachs an Lebensqualität
seitens der Betroffenen stehen moralische
Bedenken hinsichtlich zwanghafter
gesellschaftlicher und kultureller
Anpassung, unwiderruflicher
Grenzüberschreitungen oder bedrohlicher
Tendenzen zur autoaggressiven
Selbstverstümmelung gegenüber. Der Mensch
unterzieht sich einer »transhumanen
Expansion«. Es hat den Anschein, als sei
längst eine Art »Dialektik der
Selbstvervollkommnung« im Gange: Das
menschliche Streben nach Perfektion schlägt
ins Monströse um.<br><br>
Hauptvortrag<br>
<b>Kurt Bayertz</b>(Universität Münster)<br>
Kommentare<br>
<b>Katja Crone</b> (Geschäftsstelle des
Nationalen Ethikrates)<br>
<b>Christoph Menke</b>
(MenschenRechtsZentrum der Universität Potsdam)
Grüne Akademie: Reihe Grenzgänge
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin