Bildungsreise

Samstag, 15. September 2018 – Sonntag, 23. September 2018 In meinem Kalender speichern

Bildungsreise

Griechenland: Athen und Lesbos

Die Krise(n) und die Folgen

Ende Juni 2018 war es soweit: "Die griechische Krise ist heute Abend vorbei", sagte feierlich der EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici nach einem letzten Deal der Eurogruppe mit der griechischen Regierung. Die "Hilfsprogramme" der EU - die über die letzten acht Jahre nichts anderes als radikale "Spardiktate" für die griechische Bevölkerung bedeutet haben - sollen im August auslaufen. Dabei tobt die Perspektivenlosigkeit in der Ägais für viele weiterhin fort - und auch die bittere Gewissheit, dass neue Sparmaßnahmen auf dem Weg sind.

Die erzwungene Sparpolitik und die damit ausgelöste tiefe Rezession hatten verheerende soziale Auswirkungen auf die griechische Bevölkerung und machen ein menschenwürdiges Leben für viele immer noch schwer erreichbar.

Aber nicht nur mit einem immer größer werdenden Schuldenberg wurde die griechische Bevölkerung allein gelassen, sondern auch in der größten humanitären Krise der Nachkriegszeit als Folge des Bürgerkrieges in Syrien. Wie PRO ASYL berichtet, ist Griechenland seit der Abriegelung der Balkanroute und dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Deals für viele Schutzsuchende zur Endstation und zur Falle geworden. Auch hier sehen die anderen Staaten der Europäischen Union diesem Elend der Geflüchteten zu. Legale Möglichkeiten in andere EU-Staaten weiterzureisen werden den meisten Geflüchteten verweigert.

Mit Gesprächen vor Ort möchten wir uns gemeinsam ein Bild machen, wie die Menschen mit den vielfältigen Krisen und ihren Folgen umgehen und gemeinsam Perspektiven für ein anderes Europa entwickeln. Unsere Begegnungsreise führt erstens nach Athen. In dieser zerrissenen Metropole mit über vier Millionen Einwohner*innen sind die Folgen der politischen und wirtschaftlichen Krise am stärksten spürbar. In der Tiefe der sozialen und ökonomischen Krise entstand hier aber auch eine neue Protestbewegung von unten, die neue Formen des Widerstandes gegen die neoliberale Sparpolitik entwickelt.

Das zweite Reiseziel ist Mytilini, Lesbos - eines der Epizentren der europäischen Abschottung. In der Hochphase der sogenannten "Flüchtlingskrise" landeten hier an einem Wochenende bis zu 10.000 Menschen hungrig und erschöpft von der Überfahrt. Heute noch sind bei Moria, einem Dorf rund acht Kilometer nördlich von Mytilini, Tausende Migrant*innen in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht - überfüllte Lager, Bürokratie und Perspektivenlosigkeit sind zum Abschreckungsmittel geworden.

Wir treffen Aktivist*innen und Expert*innen aus Politik, Nichtregierungsorganisationen und Gesellschaft und versuchen Antworten auf verschiedene Fragen zu finden. Welche Spielräume bleiben, wenn Politik und Gesellschaft weitgehend von der Sparpolitik bestimmt werden? Wie organisiert sich die gesellschaftliche Opposition? Welche Strategien werden entwickelt? Wie entwickelt sich das Verhältnis Griechenlands zu Europa und welche Chancen bestehen für eine gesamteuropäische, soziale Entwicklung? Wie begegnet die Stadt Lesbos der Flüchtlingskrise und wie gehen die Bürger*innen der Stadt mit den Geflüchteten um? Wie kann die humanitäre Krise auf der Insel, die ja eine europäische Krise ist, aus der lokalen Verhaftung befreit werden? Und wie kann eine solidarische, funktionale Politik für Geflüchtete in Europa aussehen?

Unsere Kooperationspartner sind weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und Rhizomia e.V.

Der gemeinnützige Verein Rhizomia setzt sich die kritische Bewusstseinsförderung zu gesellschaftlich relevanten Themen zum Ziel. Rhizomia initiert und realisiert transnationale Lernprozesse in Form von Bildungsreisen insbesondere in südeuropäische Länder.
Reiseleiter und Organisatoren sind Dr. Nurettin Alphan Tuncer und Dr. Gökhan Tuncer.

Dr. Alphan Tuncer, (* 1978, Istanbul), Humboldt-Universität Berlin und Mitgründer der Initiative «Zweiheimisch». Nach dem Master-Studium der Internationale Beziehungen an der School of Oriental and African Studies (University of London) promovierte er an der HU Berlin über die Transformation der türkischen Gesellschaft und ihre Außenpolitik während des Kalten Krieges. Seine Forschungsschwerpunkte sind Theorien der Internationalen Beziehungen (insb. Kritische Theorie), Innen- und Außenpolitik der Türkei, deutsch-türkische Beziehungen sowie die Außenpolitik der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) und EU-MENA Beziehungen.

Dr. Gökhan Tuncer, (* 1974, Istanbul) lehrt seit 2007 Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft promovierte er zur Transformation der Staatlichkeit in der Türkei. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Theorie, politische Ökonomie der europäischen Integration, Globalisierung und Transformationsprozesse in Schwellenländern und europäische Mittelmeerpolitik. Er entwicklelte Modelle des transnationalen Lernens und Lehrens in der universitären Bildung und leitet wissenschaftliche Exkursionen seit 2002.


Die Reise ist für alle politisch Interessierte offen.

Das Programm startet in Athen am Sonntag, 16. September, morgens. Das Einchecken im Hotel wird am Samstagabend möglich sein. Das Programm endet am Sonntagmorgen in Mytilini/ Lesbos (23. September 2018) mit dem gemeinsamen Frühstück.

Die Reise umfasst acht Übernachtungen ausgewählten Hotels in der Innenstadt von Athen bzw. in Mytilini.

Im Preis inbegriffen sind die Übernachtungskosten inkl. Frühstück, zwei gemeinsame Mahlzeiten, die Fahrtkosten für den ÖPNV in Athen, der Flug-Transfer nach Lesbos, Expert*innen-Treffen und Gespräche, Reiseleitung sowie alle Eintritte in die vorgesehenen Kultureinrichtungen.

Nicht enthalten im Reisepreis sind die An- und Abreise sowie alle weiteren Mahlzeiten und Trinkgelder.

Alle Gespräche, die nicht in Deutsch stattfinden, werden aus dem Englischen bzw. dem Griechischen ins Deutsche übersetzt.

Wir bemühen uns mit unseren Reisen um besondere Einblicke und Kontakte zu ausgesuchten, teilweise nicht hochprofessionalisierten, aber umso spannenderen und aktiveren Initiativen. Hierdurch und durch einige Unwägbarkeiten während der Bildungsreise bitten wir alle Interessierten, Flexibilität in der Reisegestaltung mitzubringen. Das Programm enthält mittellange Spaziergänge durch Athen. Sollten Sie mobilitätseingeschränkt sein, geben Sie uns bitte vorab Bescheid.

Anmeldung
Die Reise kostet im Doppelzimmer 695 € pro Person bzw. 545 € für Studierende, Arbeitssuchende, Menschen im Freiwilligendienst, Rentner*innen u.ä. Der Aufschlag für ein Einzelzimmer beträgt 180€. Die Anreise ist nicht im Preis enthalten und muss eigenständig organisiert werden.

Bitte melden Sie sich mit unserem Formular (PDF-Download)

Per Post an Rhizomia e.V.
c/o Dr. Tuncer
Bugenhagenstr. 6
10551 Berlin

oder per Email an goekhantuncer@yahoo.com
Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2018.

Auf der Rückseite der Anmeldung finden sich die AGB für diese Reise. Sollten Sie Probleme mit dem Formular oder der Anmeldung haben, melden Sie sich bitte per Telefon (015902417400) oder eMail goekhantuncer@yahoo.com bei uns.
Veranstalter*in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Sprache
Deutsch