- Freitag, 13. Mai 2011 19.00 In meinem Kalender speichern
Grüner Salon: Brauchen wir eine neue Finanz- und Wirtschaftsethik?
Unsere Finanzmärkte sind von der Realwirtschaft mittlerweile weitgehend abgekoppelt. Vielfältige Spekulationen und das Kreieren immer neuer, für niemanden mehr wirklich durchschaubarer „Finanzprodukte“ haben die Volkswirtschaften weltweit in eine Krise bisher unbekannten Ausmaßes gestürzt. Leidtragende dieser Krise sind nicht etwa die Verantwortlichen. Leidtragende sind vor allem diejenigen, die von hohen Kapitalrenditen nicht profitieren konnten, weil ihnen die dafür notwendigen Rücklagen fehlen. Arbeitsplätze gingen verloren oder wurden unsicher. Kurzarbeit hat zu erheblichen Verdienstausfällen geführt. Soziale Leistungen wurden nicht angepasst, Bildungsinvestitionen nicht getätigt und öffentliche Daseinsvorsorge zurück gefahren. Die Regierung verwendet das Geld für die Bankenrettung und die Stützung der Staaten, die in der Krise unter Druck geratenen sind. Und sie hat umfassende Finanzzusagen mit Folgen für die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte getätigt.
Bankenvorstände, Broker und Fondsmanager, die diese Krise durch ihr Handeln verursacht haben, genehmigen sich jedoch weiterhin üppige Bonuszahlungen. Wir fragen: Sind die bisher nur sehr zögerlich auf den Weg gebrachten Maßnahmen wie höhere Eigenkapitalquoten, Testverfahren für neue Finanzdienste, öffentliche Rating-Agenturen oder Steuern auf spekulative Finanzgeschäfte geeignet, das Problem zu lösen? Ist die von vielen bereits als überstanden geglaubte Krise überhaupt eine Finanzkrise, die mit besserer Vorsorge und Kontrolle lösbar ist? Oder handelt es sich nicht vielmehr um eine tief greifende ökonomische, soziale und ökologische Krise unserer kapitalistischen Gesellschaft? Brauchen wir eher ein neues Fundament für unser Wirtschaften, also eine neue Finanz- und Wirtschaftsethik? Wie könnte diese aussehen? Und wie können wir sie umsetzen?
Hans-Jürgen Klein, MdL, im Gespräch mit: Walter Flecken, Vorsitzender des Bankenverbandes Niedersachsen; Wolf-Gerot Reichert, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Oswald von Nell-Breuning-Instituts, Frankfurt
- Veranstalter*in
- Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen