Dienstag, 19. Oktober 2021 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

„Hannah - Ein gewöhnliches Leben"

Über die traumatischen Folgen politischer Morde: Film, Vortrag und Gespräch mit Hana Frejková

Der Antisemitismus stalinistischer Prägung kostete in den 1950er Jahren vielen jüdischen Intellektuellen im sowjetischen Machtbereich – oftmals überzeugte Kommunist:innen – das Leben. Bekannt sind die massive Verfolgung jüdischer Ärzte in der SU wegen angeblicher Verschwörungen und die aggressive Kampagne gegen „wurzellose Kosmopoliten“, womit jüdische Menschen gemeint waren.

Eine etwa 60-jährige Frau, die gedankenverloren in der Ferne schaut.
Hana Frejková,
Foto: Mariana Borecka

Hana Frejková ist die Tochter von Ludvík Frejka, der 1952 nach einem Schau-Prozess in Prag hingerichtet wurde. Frejka, der einer sudetendeutschen jüdischen Familie entstammte, war Sekretär der Zentralen Planungskommission und zuvor im antifaschistischen Widerstand aktiv. Nach dem Todesurteil, das auf dem Vorwurf eines „staatsfeindlichen Zionismus“ und der wirtschaftlichen Sabotage basierte, wurden die damals siebenjährige Hana Frejková und ihre Mutter ins Grenzgebiet von Liberec deportiert.

Am 19. Oktober 2021 um 19 Uhr ist Hana Frejková zu Gast bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Porta Bohemica e.V. der Heinrich Böll-Stiftung Bremen. Des Themas wegen findet sie im historischen Schwurgerichtssaal des Landgerichts an der Domsheide statt, was wiederum durch eine Kooperation mit dem Bremischen Richterbund ermöglicht wird.

Bis heute muss sich Hana Frejková mit ihrem familiären Trauma auseinandersetzen. Der halbstündige Dokumentarfilm „Hannah - Ein gewöhnliches Leben" zeigt, wie Frejková, die eine erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin wurde, ihr autobiographisches Theaterstück "HANNAH" inszeniert, jiddische Kultur für sich entdeckte und einen literarischen Dialog mit ihrer Mutter versucht. Nach dem Film findet ein Gespräch mit Hana Frejková statt. Zudem gibt es eine historische Einordnung des Slánsky-Prozesses, in dem Ludvík Frejka und viele weitere jüdische Angeklagte abgeurteilt wurden, durch den Juristen Dirk Harms.

Zum Hintergrund:

Die Veranstaltung knüpft an die Vortragsreihe: „Unrechtsjustiz im totalitären Staat" von 2015 an, die das Wüten der NS-Sondergerichte in Bremen und Prag, die ČSR-Retributionsprozesse gegen Nazi-Täter und -Kollaborateure und schließlich im Rahmen eines deutsch-tschechischen Richteraustausches auf einer Fortbildungsreise nach Prag den stalinistischen Slánský-Schauprozess behandelt hat. 

Der Eintritt ist frei. Es gelten die 3 G-Regeln, wegen des besonderen Ortes ist auch ein Personalausweis mitzubringen.

Weitere Kooperationspartner:innen sind der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bremen/Unterweser

Adresse
▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Veranstalter/in
Landesstiftung Bremen
Sprache
Deutsch