- Montag, 28. September 2015 19.00 In meinem Kalender speichern
Heinrich Böll und die Deutschen
Podiumsgespräch anlässlich des 30. Todestages am 16. Juli 2015
Heinrich Böll hat sein Verhältnis zu den Deutschen, zu Deutschland, der deutschen Geschichte und Gesellschaft unter keinen Vorbehalt gestellt: "Den Luxus, sich innerlich und wo immer möglich und notwendig auch äußerlich, von den Deutschen in den Jahren zwischen 1933 und 1945 zu distanzieren […], diesen Luxus habe ich erst 1945 abgelegt, als es drinnen und draußen nichts mehr einbrachte, einer zu sein – abgelegt auch angesichts des Opportunismus anderer, die plötzlich taten, als wären sie keine."
Für ihn als Autor, dessen Ausdrucks- und Arbeitsmittel, aber auch Thema und Medium die Sprache bildete, war der Bezug eindeutig: "Das Primäre ist die Sprache. Ich schreibe deutsch. Finito. Damit bin ich Deutscher."
Gewahrt hat er sich dennoch eine kritische Distanz – als Schriftsteller und Staatsbürger – zu den bundesrepublikanischen Realitäten und Mentalitäten der Deutschen.
Wer und was aber waren für den 1985 gestorbenen, ersten deutschen Nobelpreisträger für Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg (1972), die Deutschen nach dem Krieg, in der Zeit des Wiederaufbaus, wie sah er die Gesellschaft der Deutschen in der Zeit der Studentenproteste, der Terrorismusdebatten und der Friedensbewegung Anfang der 1980er-Jahren bis zu seinem Tod? Und: wer war Heinrich Böll für die Deutschen – ein Streitfall? Eine Instanz des öffentlichen Gewissens, trotz Bölls vehementer Ablehnung jedweder Apostrophierung dieser Art? Ein Chronist seiner Epoche?
Das von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Heinrich-Böll-Archiv initiierte Gespräch unternimmt einen Annäherungsversuch an das Erregungspotential von Heinrich Bölls literarischem Selbstverständnis und seinen Interventionen in die Prozesse deutscher Selbstverständigung.
Teilnehmer/innen:
- Tanja Dückers, Schriftstellerin, Germanistin und Journalistin, erhielt für ihr literarisches und publizistisches Werk zahlreiche Stipendien und Preise. Als Kolumnistin schreibt sie u.a. in der ZEIT.
- Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
- Ralf Schnell, Literatur- und Medienwissenschaftler, emeritierter Professor und Rektor a.D. der Universität Siegen, Mitherausgeber der Kölner Werkausgabe Heinrich Bölls
- Moderation: Stefanie Junker
Eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung und des Heinrich-Böll-Archiv der Stadtbibliothek Köln.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Veranstaltungsort:
Zentralbibliothek Köln
Josef-Haubrich-Hof 1
50676 Köln
Information:
Jochen Schubert
Heinrich-Böll-Stiftung
T: 0221-5102588
E: schubert@boell.de
- Adresse
-
▶ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
- Veranstalter*in
- Externe Veranstaltung
- Teilnahmegebühren
- frei