Donnerstag, 16. Oktober 2008 18.15 – 19.45 Uhr In meinem Kalender speichern

Hochschulsysteme in ihrer historischen Entwicklung. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Hochschulentwicklung seit 1750

Projekt Alternative Denkräume | Ringvorlesung WS 2008/09

Dr. Detlef Gaus, Universität Lüneburg

Mit dem Beginn der Neuzeit um 1800 in Europa und den USA erwiesen sich die Universitäten, die in Traditionen erstarrt waren, die z. T. bis in die Antike zurückreichten, als nicht mehr zeitgemäß. Systemübergreifend stand in allen Gebieten die Aufgabe an, neue hochqualifizierte Wege der Rekrutierung und Ausbildung von Experten und Professionals zu entwickeln. Systemspezifisch wurden dabei - idealtypisch - drei jeweils dominante Lösungsansätze entwickelt: Die Studies der Humanities mit nachgelagerter, berufsständisch organisierter Expertenausbildung im englischen und amerikanischen College-System, die Expertenausbildung im von der Französischen Revolution durchgesetzten Fachhochschulsystem der Grand Ecoles sowie die Idee eines forschenden Bildungsstudiums im insbesondere von Humboldt inspirierten deutschen Universitätsmodell. Alle drei Modelle haben aus historischer Perspektive ihre spezifischen Entstehungshintergründe, aus systematischer Perspektive ihre Vorteile und ihre Nachteile. - Alle drei Modelle kamen zum Ausgang des 20. Jahrhunderts an ihre je spezifischen Grenzen. Diese Entwicklungen zu verstehen ist Voraussetzung dafür zu begreifen, dass und warum der Bologna-Prozess als radikalster Schnitt in der übergreifenden Bildungssystementwicklung der letzten 200 Jahre so schnell und umfassend an Dynamik gewinnen konnte.
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