Donnerstag, 11. Oktober 2007 18.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

„Ich möchte am liebsten weg sein und bleibe am liebsten hier“ - Der Exodus der Intellektuellen aus der DDR nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann

Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Am 13. November 1976 tritt Wolf Biermann zum ersten Mal seit elf Jahren öffentlich auf. Vor fast 7000 begeisterten Zuschauern spielt er in Köln sein Programm mit dem Motto `Ich möchte am liebsten weg sein und bleibe am liebsten hier`. Drei Tage später, am 16.11., meldet die DDR-Nachrichtenagentur ADN, Biermann sei wegen seines `feindseligen Auftretens gegenüber der Deutschen Demokratischen Republik` die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannt und die Wiedereinreise verboten worden.
Die Partei- und Staatsführung der DDR hat die Reaktionen auf diese Zwangsmaß-nahme völlig falsch eingeschätzt: Mehr als 70 prominente ostdeutsche Künstler und Intellektuelle, darunter Christa Wolf, Jurek Becker und Sarah Kirsch, protestieren in einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung. Auch hunderte „normale“ Bürger bringen ihren Unmut zum Ausdruck. Die Staatsmacht antwortet mit Repression: Zahlreiche Künstler und Schriftsteller werden aus der DDR gedrängt. Für viele Menschen endet der Protest mit Verhaftung, Parteistrafe, Ausschluss, Ausreise, Ausbürgerung, Exmatrikulation oder Berufsverbot.
30 Jahre später stellen sich noch immer zahlreiche Fragen: Welche Folgen hatte der Weggang z.B. von Sarah Kirsch, Manfred Krug, Reiner Kunze oder Jürgen Fuchs? Wie wirkte sich die Isolierung des Intellektuellen Robert Havemann aus? Und wie erging es den zahllosen mutigen Bürgern, deren Leben etwa durch Inhaftierung oder Exmatrikulation radikal verändert wurde? Wie tief und dauerhaft war der Riss, der sich zwischen Partei und Staat einerseits und den Menschen andererseits aufgetan hatte?
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