- Montag, 24. April 2006 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Israel nach den Parlamentswahlen
Neue Mehrheiten - neue Chancen?
Die vorgezogenen <b>israelischen
Parlamentswahlen am 28. März</b> zur 17.
Knesset haben zu einer Verschiebung der
politischen Mehrheitsverhältnisse in
Richtung des Mitte-Links Blocks geführt.
Doch sind die Ergebnisse bei weitem nicht
so eindeutig, als das von einer zukünftig
stabilen Koalitionsregierung in Israel
gesprochen werden kann. So hat die
Kadima-Partei weniger Sitze errungen als
erwartet, dagegen hat Labour gut
abgeschnitten und der Likud als vormals
stärkste Partei muss sich den vierten Platz
mit der Shas-Partei teilen.<br><br>
Mit ungefähr 64% war die Wahlbeteiligung
die niedrigste, die es bei Knessetwahlen
jemals gegeben hat. Rund 5% weniger
Bürgerinnen und Bürger sind im Vergleich zu
den letzten Wahlen zur Urne gegangen. Die
Enthaltung kann mit einer wachsenden
Frustration der israelischen WählerInnen
mit den Parteien und der Politik zu tun
haben, was möglicherweise auch den Erfolg
der Pensionärs-Partei erklärt, die als
Newcomer ohne Programm und ohne prominente
Politiker aus dem Stand sieben Sitze in der
Knesset errungen hat. Der Rückgang der
Wahlbeteiligung kann aber auch ein Zeichen
dafür sein, dass sich das
gesellschaftspolitische Klima in Israel
entspannt hat und sich die Beteiligung der
Quote in Europa und den USA annähert.<br><br>
Ehud Olmert, der vom Staatspräsidenten mit
der Regierungsbildung beauftragte Führer
der Kadima-Partei, sieht sich jetzt einer
schwierigen Aufgabe bei der Bildung einer
stabilen und starken Koalition gegenüber.
Es ist so gut wie sicher, dass die
Labour-Partei der große Partner sein wird.
Olmert lehnt eine Gleichrangigkeit von
Kadima und Labour in der künftigen
Regierung ab, gleichwohl wird er auf deren
Zustimmung und Bereitschaft zu Kompromissen
angewiesen sein, wenn es um die Einbindung
weiterer Partner in der Regierungskoalition
geht.<br><br>
Eine wichtige außenpolitische Frage ist die
des weiteren Prozesses mit der
palästinensischen Seite und einer
(angekündigten) Zwei-Staaten-Lösung.
Angesichts der jetzigen politischen
Konstellationen auf beiden Seiten ist eher
an ein Konflikt-Management als an eine
Konflikt-Lösung zu denken, also an ein
weiteres unilaterales Vorgehen Israels und
keinen Neubeginn des Dialogs und der
Verhandlungen auf der Basis der
Road-Map.<br><br>
Wir diskutieren über die israelischen
Wähler und ihr Wahlverhalten, über die
veränderte Parteienlandschaft, die mögliche
Regierungskonstellation/ koalition und ihre
künftige Politik sowie über die regionalen
und internationalen Folgen der Wahlen.
<br>
<br>
mit:<br>
<b>Prof. Dr. Tamar Herrmann</b>,<br>
Universität Tel Aviv<br>
<br>
<b>Ayala Hasson</b>,<br>
Diplomatic Correspondent, Tel Aviv<br>
<br>
<b>Igal Avidan</b>,<br>
Journalist, Berlin<br>
<br>
Moderation:<br>
<b>Jörn Böhme</b>, Heinrich Böll
Stiftung Tel Aviv<br>
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin