Dienstag, 04. Oktober 2005 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Jour Fixe: Bushs Agenda - Vom Winde verweht? Die politischen Folgen von Hurrikan Katrina

Debatten zur zur internationalen Politik

Die Bilder von Hurrikan „Katrina“, der am 29. August über Louisiana hinwegzog, sind vielen Menschen tief im Gedächtnis geblieben. Vielen Kommentatoren schienen die harschen Gegensätze, die da offenbar wurden, wie eine Karikatur der US-amerikanischen Gesellschaft im Jahr 2005.<br> Nach einer Welle heftiger Kritik am Umgang nahezu aller staatlicher Ebenen mit den Folgen des Sturms hat Präsident Bush versucht, das Vertrauen in seine Regierung wiederherzustellen.<br> Bush hat ein umfangreiches Wiederaufbauprogramm für die zerstörte Region angekündigt, dessen Kosten nach ersten Schätzungen 200 Milliarden US- Dollar übersteigen könnten. Damit stehen einige der zentralen Vorhaben in der zweiten Amtszeit des republikanischen Präsidenten in Frage.<br> Und viele US-Amerikaner fragen sich: Hat die Bush-Regierung über dem Kampf gegen den Terror die zentralen Staatsaufgaben zuhause vernachlässigt? Wie ist es möglich, dass die USA monatlich 5,9 Milliarden Dollar für den Irakkrieg ausgeben, das Geld für den seit Jahren geforderten Ausbau der Dämme von New Orleans aber nie bewilligt wurde?<br> In den vergangenen Jahren hat die republikanische Partei, insbesondere ihr christlich-konservativer Flügel, große Erfolge dabei erzielt, in Wählerschichten einzudringen, die traditionell den Demokraten zugeneigt waren. Die Strategie: Jahrzehntelange konservative Hegemonie. Insbesondere die wachsende Zustimmung der schwarzen Bevölkerung scheint mit der unzureichenden Antwort auf „Katrina“ in Gefahr. Hat also „Katrina“ die Regierung Bush nachhaltig beschädigt? Setzt in den USA ein Umdenken über die Rolle des Staates und die Ausgabenpolitik des Bundes ein? Ist die US-Gesellschaft tatsächlich so scharf gespalten, wie es erste politische Reaktionen suggerieren? Wie ist Präsident Bushs Ankündigung zu verstehen, Rassismus und Armut im Süden müssten überwunden werden? Beeinflusst die Erfahrung der nationalen Verwundbarkeit ohne externen Gegner auch die Außenpolitik der Regierung?<br>