- Dienstag, 06. Juni 2006 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Jour Fixe: Der neue UN-Menschenrechtsrat – und jetzt?
Erwartungen, Risiken und Chancen
Auf der Galerie...<BR>
DEBATTEN ZUR INTERNATIONALEN
POLITIK<BR><BR>
Jour Fixe der
Heinrich-Böll-Stiftung und der tageszeitung
In Kooperation mit Forum Menschenrechte
<BR><BR>Unsere Gäste:<BR>
<B>Ann Syauta</B><BR>
UN-Hochkommissariat für
Menschenrechte<BR>
<B>Jochen von Bernstorff</B> <BR>
Auswärtiges Amt<BR>
<B>Beate Wagner </B><BR>
Deutsche Gesellschaft für die Vereinten
Nationen <BR>
<B>Theodor Rathgeber</b>
Forum Menschenrechte <br><br>
Moderation:<br>
<b>Andreas Zumach</B><br>
taz-Korrespondent in Genf<BR><BR>
Nach mehrjähriger Reformdebatte und
zähen Verhandlungen bis zum letzten
Moment gab die UN-Generalversammlung
am 15. März 2006 grünes Licht für die
Einrichtung eines neuen
Menschenrechtsrates. Der Rat tritt an die
Stelle der bisherigen UN-
Menschenrechtskommission und soll vor
allem bei der Einhaltung existierender
Menschenrechtsstandards – nicht zuletzt
aus Opferperspektive – deutlich effizienter
und schlagkräftiger agieren.
Insgesamt bewarben sich 63 Länder für die
47 Sitze in dem neuen Organ. Die mit
Spannung erwartete Wahl erfolgte nach
einem regionalen Proporz. Um eine
jährliche Fluktuation zu garantieren,
wurden die ein-, zwei- oder dreijährigen
Mitgliedschaften im Losverfahren ermittelt.
Die USA hatten ihre Bewerbung schon im
Vorfeld zurückgezogen, um einer
drohenden Niederlage zuvorkommen. Auch
Deutschland war sich nicht sicher, den
Einzug zu schaffen, erreichte ihn jedoch
schließlich mit Leichtigkeit.
Zunehmende, zum Teil heftige Kritik hatte
das Ende der Menschenrechtskommission
beschleunigt: Selbst in gravierenden Fällen
von Menschenrechtsverletzungen – wie in
der Provinz Darfur (Sudan), Zimbabwe,
Tschetschenien, China oder Guantánamo
(USA) – handelte das zentrale Gremium
der Vereinten Nationen für Menschenrechte
nicht, blieb in vielen Fällen sogar
sprachlos, in jeden Fall weit hinter den
Möglichkeiten zurück. Die Kommission
folgte vor allem politischen, d.h.
diplomatischen, geopolitischen, strategisch-
wirtschaftlichen oder anderen
Eigeninteressen. <br>Die Opfer von
Menschenrechtsverletzungen und ihre
Zeugnisse schienen vor der
Menschenrechtskommission zunehmend
als Störenfriede empfunden zu werden. UN-
Generalsekretär Kofi Annan und andere
ranghohe UN-Repräsentanten befürchteten
zurecht, dass die Performance der
Menschenrechtskommission den Ruf der
gesamten UNO nachhaltig beschädigen
könnte.
Die Neuerungen des Menschenrechtsrats
eröffnen Chancen, den Schutz und die
Förderung von Menschenrechten nachhaltig
zu verbessern. So hat sich sein Status
erhöht: Er ist nun dem höchsten
Beschlussorgan der UNO, der
Generalversammlung, zugeordnet and
agiert insofern mit größerer institutioneller
Kompetenz. Der Rat soll mindestens drei
Mal pro Jahr zu Plenarsitzungen zusammen
treten und insgesamt mindestens 10
Wochen tagen. Damit nähert sich der Rat
dem Anspruch an, vor allem an
Brennpunkten zeitnah arbeiten und
entscheiden zu können. Gänzlich neu ist
die jährliche Überprüfung aller Staaten.
Damit verbindet sich die Chance, dass die
selektive Anklage von Staaten und das
beredte Schweigen über
Menschenrechtsverletzungen bei
Verbündeten tendenziell ein Ende hat.
Hoffnungsvoll stimmte auch im Vorfeld der
Wahlen am 09. Mai, dass fast alle
Bewerber sich aufgefordert fühlten, ihrer
Kandidatur ein Bewerbungsschreiben
beizufügen und dort Rechenschaft über das
eigene Tun in Sachen Menschenrechte
abzulegen. <br><br>
Flyer
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin