- Dienstag, 05. Juni 2007 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Jour Fixe: Die Spaltung der türkischen Gesellschaft: Nationalismus - Kemalismus - Laizismus
Auf der Galerie... Debatten zur internationalen Politik
Spätestens seitdem der türkische Generalstab am 29. April 2007 die Öffentlichkeit mit einem nächtens erlassenen Dekret aus dem Schlaf riss, verstärkt sich der Eindruck, dass der Laizismus in der Türkei in Gefahr ist. Viele Beobachter wundern sich über diese vermeintliche Bedrohung. Sie halten die AKP zwar für eine erzkonservative Partei, der bayrischen CSU vergleichbar. Dass aber die türkische Variante des Laizismus in Gefahr sein sollte, will niemand so recht glauben. Dennoch wird das Land seit der Warnung der Militärführung mit sogenannten `Republikstreffen` überzogen, an denen hunderttausende Bürger und vor allem Bürgerinnen mit türkischen Fahnen und Slogans für den Gründer der Republik ihren Protest gegen eine islam-freundliche Regierung zum Ausdruck bringen.
Sie fordern den Schutz der Republik und kemalistischer Prinzipien.
Auch wenn die meisten DemonstrantInnen keinen Militärputsch wollen, halten sie die deutliche Warnung der Militärs durchaus für einen angemessenen Schritt. Die Ereignisse legen zudem den Schluss nahe, dass die Streitkräfte in Abstimmung oder zumindest Übereinstimmung mit der größten Oppositionspartei, der CHP, handelten - für den Erhalt der laizistischen Ordnung ist man bereit, die Demokratie des Landes empfindlich einzuengen.
Bemerkenswert an den jüngsten Entwicklungen ist, dass die Diskussionen über die aktuelle politische Krise des Landes zunehmend die Rolle der Frauen in den Mittelpunkt stellen: die moderne, kemalistisch gesinnte Frau ohne Kopftuch als Gegensatz zu einer untergeordneten, willfährigen und gläubigen Kopftuchträgerin. Nicht von ungefähr wurden die ersten „Republikstreffen“ als Demonstrationen von Frauen gegen die Unterdrückung durch den Islam propagiert. Diese vermeintlich frauenfreundliche Politik scheint jedoch nicht für die politische Partizipation von Frauen zu gelten: Im Parlament beträgt die Frauenqoute gerade einmal 4%.
Sie fordern den Schutz der Republik und kemalistischer Prinzipien.
Auch wenn die meisten DemonstrantInnen keinen Militärputsch wollen, halten sie die deutliche Warnung der Militärs durchaus für einen angemessenen Schritt. Die Ereignisse legen zudem den Schluss nahe, dass die Streitkräfte in Abstimmung oder zumindest Übereinstimmung mit der größten Oppositionspartei, der CHP, handelten - für den Erhalt der laizistischen Ordnung ist man bereit, die Demokratie des Landes empfindlich einzuengen.
Bemerkenswert an den jüngsten Entwicklungen ist, dass die Diskussionen über die aktuelle politische Krise des Landes zunehmend die Rolle der Frauen in den Mittelpunkt stellen: die moderne, kemalistisch gesinnte Frau ohne Kopftuch als Gegensatz zu einer untergeordneten, willfährigen und gläubigen Kopftuchträgerin. Nicht von ungefähr wurden die ersten „Republikstreffen“ als Demonstrationen von Frauen gegen die Unterdrückung durch den Islam propagiert. Diese vermeintlich frauenfreundliche Politik scheint jedoch nicht für die politische Partizipation von Frauen zu gelten: Im Parlament beträgt die Frauenqoute gerade einmal 4%.
- Wie tief geht die aktuelle Krise der türkischen Demokratie?
- Ist die türkische Gesellschaft tatsächlich unüberwindbar in Kemalisten und Islamisten gespalten?
- Werden die Streitkräfte ihrer selbstgewählten und -propagierten Rolle als „Hüter der Republik“ gerecht oder blockieren sie vielmehr den Demokratisierungsprozess?
- Hat die türkische Politik die Frauen „entdeckt“?
- Wie ist das Frauenbild der politischen Akteure in Ideologie und Praxis?
Mit:
Ayhan Bilgen, Menschenrechtsaktivist, Vorsitzender von Mazlum-Der, Ankara
Ulrike Dufner, Leiterin des Türkeibüros der Heinrich-Böll-Stiftung
Aysun Sayin, KAGIDER, Frauenfond, Aktivistin in der Kampagne für politische Partizipation von Frauen
Moderation:
Rebekka Göhring, Heinrich-Böll-Stiftung
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin