- Dienstag, 07. März 2006 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Jour Fixe: Iran und der Westen - Von der Krise in den Krieg?
Es diskutieren:<br>
Shaul Bakhash, George Mason University
(USA), Gast der American Academy
Berlin<br>
Bahman Nirumand, Publizist<br>
Andreas Zumach, die
tageszeitung<br><br>
Moderation:<br>
Barbara Unmüssig, Vorstand Heinrich-Böll-
Stiftung<br><br>
Der Streit um das iranische
Atomprogramm ist auf dem besten Weg,
zu einer handfesten internationalen Krise
zu werden. Die Verhandlungen, mit denen
eine Dreiergruppe der Europäischen
Union aus Großbritannien, Frankreich und
Deutschland den Iran auf diplomatischem
Wege davon abbringen wollte, die
Urananreicherung weiter zu verfolgen, sind
gescheitert.
Auch die Bemühungen Russlands, durch
die Garantie russischer Brennstäbe-
Lieferungen Iran zum Verzicht auf eigene
Anreicherung zu bewegen, scheinen ins
Leere zu laufen.<br><br>
Anders als vor dem Irakkrieg ist sich der
Westen im Falle des Iran einig über die
potenzielle Bedrohung, die von Teheran
ausgeht. <br>
Die Tatsache, dass Iran wesentliche Teile
seines Atomprogramms jahrelang vor der
Internationalen Atomenergiebehörde
geheim hielt, hat tiefe Zweifel daran
entstehen lassen, ob die iranischen
Beteuerungen, es handele sich lediglich um
den Aufbau einer zivilen Nutzung der
Atomenergie im Rahmen des NPT-
Vertrages, wirklich der Wahrheit
entsprechen. Die rhetorischen Ausfälle des
im Juni 2005 gewählten Präsidenten
Ahmedinedschad gegen Israel und seine
Bemerkungen über den Holocaust haben
das Misstrauen nur weiter
gesteigert.<br><br>
Dabei gestehen viele Experten dem Iran
sogar eine Logik im Streben nach
Atomwaffen zu:
Seit dem Afghanistan- und dem Irakkrieg
ist der Iran umzingelt von Ländern mit
starken US-amerikanischen
Gruppenkontingenten.<BR>
Die neokonservativen Vordenker der US-
Außenpolitik haben - spätestens, seit US-
Präsident George W. Bush Anfang 2002
den Iran neben Irak und Nordkorea in
die "Achse des Bösen" einsortierte -
nie einen Hehl daraus gemacht, auch im
Iran "regime change" anzustreben, also
den Sturz des Regimes. So gesehen mag
es aus iranischer Sicht nahe liegen, den
Besitz von Atomwaffen anzustreben.
Gleichwohl sind sich alle Seiten, ehemalige
Irakkriegsgegner wie -befürworter im
Westen einig, dass eine Atommacht Iran
eine Schreckensvorstellung wäre, die es
um jeden Preis zu verhindern
gilt.<br><br>
Wie sind die Verhandlungen der EU-3
Gruppe zu bewerten?
Welche Rolle spielen die USA in diesem
Verhandlungsprozess? Wie berechenbar ist
die Politik Teherans? Welche
diplomatischen Lösungen sind überhaupt
denkbar, welche sind erreichbar? Wie ist
das Verhalten Russlands und Chinas im
Weltsicherheitsrat einzuschätzen? Welche
Auswirkungen hätte eine Krise um den
Iran auf die Nachbarländer, insbesondere
den Irak? Steuert die Welt auf einen neuen
Krieg zu?
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin