- Dienstag, 02. Mai 2006 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Kongo – Chancen und Risiken für den Friedensprozess
Jour fixe: Auf der Galerie ... Debatten zur internationalen Politik
In den nächsten Monaten erlebt die
Demokratische Republik Kongo ihre ersten
freien Wahlen seit über vierzig Jahren. Sie
sollen nach Jahrzehnten von Staatszerfall
und Krieg die Grundlage für den Aufbau
einer demokratischen Ordnung schaffen.
Trotz Verbesserungen der
sicherheitspolitischen Lage in den letzten
Monaten bleibt der Friedensprozess fragil.
Der Krieg konnte von keiner der
Konfliktparteien militärisch gewonnen
werden. Die Wahlen sollen nun über seinen
Ausgang entscheiden. Es bleibt abzuwarten,
ob die beteiligten Akteure, von denen die
wichtigsten Wettbewerber militärische
Bewegungen sind, die nun in das Gewand
politischer Parteien geschlüpft sind,
akzeptieren werden. Andernfalls steht eine
weitere Destabilisierung des Kongo
bevor.<br><br>
Die Europäische Union plant die Entsendung
von 1500 Soldaten, um den Wahlprozeß
abzusichern und gegebenenfalls gegen Störer
vorzugehen. Deutschland wird ein Drittel
der Truppe stellen, die im Kongo unter
französischer Führung steht.<br><br>
Zum Aufbau einer Friedensordnung gehören
allerdings mehr als nur militärische
Maßnahmen. Ohne verstärkte internationale
Anstrengungen zur Demobilisierung der
früheren Bürgerkriegsarmeen wird ein
stabiler Frieden im Kongo nicht
herzustellen sein. Ohne Reformen im
politischen und ökonomischen Bereich zum
Umgang mit den immensen natürlichen
Ressourcen des Landes, deren Ausbeutung den
Krieg mit ermöglichte, wird eine zivile
Friedensordnung angesichts der
Bereicherungsgier privater
Interessengruppen keinen Bestand haben.<br><br>
Ist angesichts der historischen Bedeutung
der Wahlen im Kongo die Entsendung von
Militär wirklich der sinnvollste Beitrag,
den Europa leisten kann? Droht die
EU-Mission unter französischer Führung
nicht als Parteinahme für den amtierenden
Präsidenten Joseph Kabila gesehen zu
werden, damit er problemlos die Wahlen
gewinnt? Können die Wahlen im Kongo unter
den gegebenen Umständen - das Land ist in
weiten Teilen noch weit vom Frieden
entfernt und die politische Macht liegt bei
den früheren Kriegstreibern - wirklich die
Erwartungen der Kongolesen in einen
demokratischen Neuanfang erfüllen? Welchen
Beitrag müßte die
internationale Gemeinschaft in diesem Sinne
leisten?<br><br>
Es diskutieren:<br>
- <b>Stefan Brüne</b> (Deutsches
Übersee-Institut)<br>
- <b>Uschi Eid</b> (Bündnis 90/Die
Grünen)<br>
- <b>Dominic Johnson</b> (die
tageszeitung)<br>
- <b>Wolf-Christian Paes</b> (BICC)<br>
Moderation: <b>Antonie Nord</b> (Heinrich
Böll Stiftung)
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin