Diskussionsreihe Dienstag, 17. März 2020 /
Berlin

Ausfall: Kriegsökonomien im Irak und Irakisch-Kurdistan

Economies at War II

Datum, Uhrzeit
Di., 17. März 2020,
18.30 – 20.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
➽ Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Berlin (Bildungswerk)
Rechtliches
Allgemeine Geschäftsbedingungen
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We will postpone our event due to the ongoing public health crisis. To help mitigate the COVID-19 pandemic, we have decided it would be best to not hold it at this time. We hope to be able to reschedule at a later date, once it is safe for everyone to attend. We will keep you updated here.

Wir verschieben unser Event aufgrund der derzeitigen Krisensituation. Um die Verbreitung von COVID-19 zu verlangsamen, erscheint es uns am besten, derzeit keine Veranstaltungen abzuhalten. Wir hoffen zu einem späteren Zeitpunkt einen Termin zu finden, sobald es wieder für alle Menschen sicher ist. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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Diese Veranstaltungsserie untersucht die Beziehung zwischen Krieg und Ökonomie in Westasien und Nordafrika. Ist „die Ökonomie“ die Lösung zum Problem des Krieges oder seine Fortsetzung? Unsere zweite Veranstaltung untersucht, basierend auf den Erfahrungen aus Kurdistan-Irak und dem Zentralirak, wie Ökonomie selbst Teil des Krieges werden kann.

Mit Blick auf verschiedene Perioden der Geschichte des Iraks und Kurdistan-Irak wird in dieser Veranstaltung die strikte Trennung zwischen Krieg auf der einen Seite und Ökonomie auf der anderen Seite, hinterfragt. Es wird die gewohnte Definition von Ökonomie, verstanden als auf den kapitalistischen Markt ausgerichtete Produktionsweise, Austausch und Verbrauch, hinterfragt. „Die Ökonomie“ wird stattdessen als Frage des „Bestreitens des Lebensunterhalts“ im Alltag der Menschen verstanden. Die zentrale Frage ist dementsprechend, wie wird Krieg Teil oder sogar Notwendigkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts?
Drei Abschnitte irakischer Geschichte und Gegenwart werden neu untersucht. Zunächst die Dekade des internationalen Wirtschaftsembargos gegen den Irak von 1990 bis zur von den USA-geleiteten Invasion des Irak. Inwiefern waren die ökonomischen Sanktionen gegen den Irak eine Fortsetzung des Krieges nicht nur gegen, aber auch innerhalb der irakischen Gesellschaft? Wie kann der sogenannte Bruderkrieg „sharê birakujî” von 1994-1997 im Kontext von knappen Ressourcen neu verstanden werden? Was sagt dies über das Verhältnis von Krieg und Ökonomie aus?
Durch die gleiche Linse werden wir uns die konfessionellen Spannungen in post- 2003 Irak und die sich entwickelnde Ökonomie anschauen, in welcher die herrschenden Eliten des Irak es geschafft haben, eine Ökonomie zu schaffen, die sich ihren und den Bedürfnissen ihrer internationalen Verbündeten, unterordnen -weite Teile der Gesellschaft im Zentralirak und in Kurdistan- Irak hinter sich lassend.
Weiter werden wir uns die derzeitigen Proteste im Zentralirak anschauen, in denen die Menschen die Jahrzehnte des Kriegs und alle ökonomischen Strukturen, die innerhalb und außerhalb des Irak diese Kriege ermöglicht haben, verurteilen. Sie entlarven den Konfessionalismus und Parteipolitik als Ideologien des Krieges. Mit dem anhaltenden Bemühen, friedlich zu bleiben, brechen die Protestierenden mit der Vergangenheit von Krieg und ökonomischer Ungerechtigkeit und nehmen ihre Leben wieder selber in die Hand. Über Skype werden wir Stimmen von den Protesten im Irak hinzuschalten.

Die Veranstaltung wird auf Englisch stattfinden.

Schluwa Sama ist Doktorandin an der Universität Exeter. Mit einem polit-ökonomischen Ansatz untersucht sie in ihrer ethnographisch Prozesse von (Ent-)Wertung von landwirtschaftlichem Leben in Kurdistan-Irak.
Iqbal Hassan ist eine feministisch-marxistische Aktivistin. Sie betreibt eine Schule für feministische ökonomische Theorien in Bagdad mit dem Ziel junge Aktivist*innen in ihrer Arbeit für soziale Gerechtigkeit zu stärken. Sie wird uns über Skype zugeschaltet sein (Arabisch mit englischer Übersetzung).

Diese Veranstaltung wird realisiert durch Mittel der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

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War Economies in Iraq and Iraqi Kurdistan - Economies at War II

This event series examines the relationship between war and the economy in West Asia and North Africa. Our second event investigates how the economy can become war itself, drawing on past and present experiences from Kurdistan-Iraq and Central Iraq. Is "the economy" the solution to the problem of war or its continuation?
Looking at different periods of Iraq’s and Iraqi Kurdistan’s history, this talk will question the strict definitional boundary between economy and war. It will therefore interrogate the usual definition of economy as a mode of production, exchange and consumption geared towards the capitalist market. It reframes ‘the economy’ as the question about “making a living” in people’s everyday life. The central question then is how does war become part or even necessary to make a living?
Three episodes of Iraq’s past and present shall be re-examined. First, the decade of international economic sanctions against Iraq from 1990 until the US-led invasion of Iraq shall be revisited. How were the economic sanctions against Iraq a continuation of war, not only on but also within Iraqi society? How has the so-called Kurdish civil war ‘sharê birakujî’ from 1994-1997 to be understood in the context of scarce resources? What does this say about the nature of war and economy?
Through the same prism we look at the sectarian tensions in post-2003 Iraq and the developing economy in which the ruling elites of Iraq had managed to create an economy subordinated to their and their international allies´ needs – leaving large parts of society behind, in central Iraq as well as in Iraqi-Kurdistan.
Finally, looking at the current protests in central Iraq, people are denouncing the decades of war and all the economic structures that allowed for war - in and on Iraq- hereby demystifying sectarianism and party politics as ideologies of war. With a persistent effort to stay peaceful, protestors are radically breaking with the past of war and economic injustice, taking ownership over their lives again. Voices from the protest squares of Iraq will join the discussion via Skype.

The event will be held in English.

Schluwa Sama is a PhD student at the University of Exeter. Through a political economy lens, her ethnographic research explores processes of (de-)valuation of agricultural life in Iraqi-Kurdistan.

Iqbal Hassan is a feminist-Marxist activist. She runs a school on feminist and economic theories in Baghdad, which aims to empower young female and male activists in their work for social justice. She will join us via Skype (Arabic with English translation).
The event is funded by the Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.