Samstag, 19. Januar 2008 10.00 – 17.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Kulturen der Selbstständigkeit

Frauen im erweiterten Europa

Mit dem Thema Kulturen der Selbstständigkeit sind unterschiedliche Bestrebungen von Frauen nach ökonomischer Unabhängigkeit durch Erwerbsarbeit und autonomer Betätigung angesprochen, die auch ihren künstlerischen Ausdruck z.B. in der Malerei oder im Film finden. Einige davon wollen wir bei der Tagung thematisieren.

Die Tagungsbeiträge nähern sich vor allem Facetten von
gelebter Autonomie und Selbstständigkeit, die bisher weniger im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und die durch vielfältige Ambivalenzen gekennzeichnet sind. „Fallstricke der Autonomie“ heißt etwa ein Beitrag, der am Beispiel der neo-faschistischen Partei in Ungarn zeigt, wie die politische Rechte versucht, den Autonomiebegriff für Frauen zu besetzen.Ambivalent zeigt sich ökonomische Selbstständigkeit auch dann, wenn – wie in neoliberalen Rationalitäten – ausschließlich der Bereich der Erwerbstätigkeit betrachtet wird und die Verknüpfung zur Reproduktions- und Fürsorgearbeit verschwindet. In allen europäischen Mitgliedstaaten wird die Fürsorgearbeit in zunehmendem Maße an Migrantinnen aus dem Osten oder aus dem Süden delegiert. Diese lebensweltlichen Zusammenhänge mit ihren Widersprüchen sollen am Beispiel Polens diskutiert werden. Am Beispiel Sloweniens werden Paradoxien der augenblicklichen Lage von Frauen in ihrem Streben nach ökonomischer Unabhängigkeit thematisiert. Erreichen Frauen mehr Selbstständigkeit dadurch, dass sie sich selbstständig  machen? Frauenleitbilder in südosteuropäischen Spielfilmen spiegeln diese Ambivalenzen und verschiedenen Bewegungsrichtungen wider: So wird zum Beispiel die Eigenständigkeit von Frauen durch Bilder ihrer sexueller Unterwerfung eher konterkariert denn gestärkt.

In einem Abschlussgespräch mit den Referentinnen der
Tagung wollen wir eine Brücke schlagen zwischen den Erfahrungen von Frauen in Mittel- und Südost- und in Westeuropa im Umgang mit dem spannungsreichen Verhältnis von Autonomie, ökonomischer Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.
Die Tagung möchte die Debatte mit Frauen in Ost- und Mitteleuropa fortsetzen, die im November 2005 von der Stiftung Frauen in Europa und der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen/Bund begonnen wurde und die in einer Buchpublikation „Gesellschaftliche Perspektiven. Frauen in Osteuropa“, erschienen beim Klartext Verlag Essen 2007, dokumentiert wurde.
Veranstalter*in
Landesstiftung Hessen
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