Online-Filmvorführung

Donnerstag, 01. Juli 2021 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Online-Filmvorführung

Leben und Wachsen im Stillstand der Pandemie

Ein Film aus dem Kurzfilmprojekt Neue Normalität. Leben in der Pandemie.

Ein Film von Sophie Raehme und Perschya Chehrazi

Durch-Leben der Pandemie und existentieller Krisen in-between Baden-Württemberg und beyond Europe!

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Ja, Corona hat unsere Welt in allen Bereichen grundlegend verändert: Das langsame Austrocknen der Veranstaltungsservice-, Kunst- und Kulturbranchen, die enorme Beanspruchung des Pflege- und Gesundheitspersonals, die Umstellung auf Digital- und Heimarbeit und die damit einhergehenden psycho-sozialen, ethischen und politischen Herausforderungen durch Krankheit, Tod, Suizide und existentielle Not in Deutschland, Europa und global sind nur sichtbare Silhouetten dieser Transformation des alltäglichen Lebens. Als Silhouetten dahinter zeichnen sich aber verschiedene Grauzonen und private und öffentliche Daseinsräume ab, die auf den ersten Blick weniger sichtbar - wenn nicht sogar im westlichen Mediendiskurs unsichtbar sind.

Alle ziehen an einem Strang. Das hofft man zumindest. Von den meisten jedoch wurde das Schaltjahr 2020 bereits sozial für tot erklärt. Das Corona-Jahr 2020 gilt als Jahr, das die meisten gern übersprungen hätten - wie den 19. Februar in Hanau oder den 25. Mai 2020 in Minneapolis und die damit verbundenen rassistischen Morde. Diese medial stark wirksamen Ereignisse zeigen zugleich wie Corona und die Regeln zur Eindämmung des Virus nicht jeden gleichermaßen betreffen. Denn manche Menschen fürchten nicht nur das Virus. Dennoch bedeutet Covid-19 für viele von uns eine zusätzliche Belastung - viele Menschen in Bekannten- und Freundeskreisen ziehen sich aus Angst andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden zurück. Manche verscharren sich dabei in Einsamkeit und Isolation. Andere leiden unter schweren Existenzängsten, Überforderung durch die Ausbreitung der Digitalisierung und Arbeitswelt in den privaten Wohnraum - Perspektivlosigkeit oder Panik und Sorge um die Zukunft und unsere Umwelt.

Der experimentelle Film setzt genau hier an und fokussiert diese veränderte Verletzlichkeit unterschiedlicher Protagonist*innen in Baden-Württemberg und Hessen sowie anderen Nebenschauplätzen in Städten in Ländern des globalen Südens (Tunesien, Ägypten, Uganda, Ruanda, Peru und Kolumbien). Im Zentrum des experimentellen und partizipativen Dokumentarfilms steht die Geschichte eines jungen BIPoC-Filmemachers, der seine biographischen Erlebnisse während der ersten Pandemiewelle beschreibt. Zurückgeworfen auf sich selbst und gerade von Darmstadt zum Master-Studium nach Ludwigsburg in Baden-Württemberg umgezogen, verfolgt der Film seine persönlichen Kämpfe. Dabei spielen die neuen alltäglichen Herausforderungen auf engsten Raum ins Private verdammt zu sein und gleichzeitig in eine neue Stadt zu ziehen eine entscheidende Rolle. Die Schwierigkeiten, die aus der verordneten Isolation resultieren, werden dabei aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und in ihrer Vielschichtigkeit dargestellt.

Was bedeutet es nicht nur räumlich sondern auch sozial und mental vor Grenzen geworfen zu seinWie fühlt man sich fern von sozialem Umfeld und persönlichen Netzwerken in einem Zimmer im Ludwigsburg mit Mitbewohnern, die man nicht kennt? Wie und was bedeuten diese uns allen mehr oder weniger bekannten Herausforderungen für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen? Was passiert wenn die Doppelbelastung durch Umzug in der Pandemie plötzlich alte Narben aufreißt und lang verdeckte Wunden und Muster wieder Besitz von einem ergreifen? Wie mit dieser Situation umgehen wenn man nicht in soziale Gruppen gehen kann, um menschliche Nähe, soziale Wärme und physischen Körperkontakt zu erhalten? 

Diese und andere Fragen werden im Dokumentarfilm aufgeworfen und teilweise beantwortet. Dabei wechselt der Film nicht nur zwischen Hessen und Baden-Württemberg, sondern auch zwischen unterschiedlichen Orten der Welt, um das neue Verhältnis von Individuum und Staats global auszuloten. Zwischen ver-digitalisierten sozialen Beziehungen verschiedener Individuen und Generationen und der fehlenden Führsorgearbeit durch Staaten verhandelt der Film im kleinen und großen die Frage nach der Zukunft mit oder nach Corona: Die neue Normalität wird entlang verschiedener biographischer Kurzausschnitte, die wir von Freunden und Bekannten in Form von Tagebucheinträge und künstlerische und musikalischen Beiträgen eingesendet bekommen haben, erkundet, erprobt und schließlich visuell ausgemalt. Dabei schwenkt der Film zwischen der lokalen Geschichte des jungen Filmemachers in Deutschland und den Geschichten einer jungen in Peru lebenden Venezolanerin, die auf emphatische und kluge Art von den Menschen, die auf der Straße leben, berichtet und dabei von ihrer Arbeit dem Recyceln in den Straßen Limas erzählt, der Schilderung einer Trans-Person aus Ägypten, die von Schwierigkeiten von Menschen aus der LGBTQI*- Community berichtet, die aufgrund der Corona-Auslastung in Krankenhäusern nicht mehr mit Medikamenten gegen AIDS versorgt werden können bis hin zum Bericht einer jungen Kolumbianerin, die als Kindergärtnerin in Deutschland arbeitet und von den Einschränkungen im Leben der jüngsten unserer Gesellschaft erzählt. Gemeinsam ist diesen doch sehr unterschiedlichen Geschichten des Betroffenseins von Corona - der Kampf ums seelische, physische und soziale Überleben in Zeiten existentieller Ungewissheit.

 


Nach einer Einführung besteht die Möglichkeit, den Film zu sehen. Daran schließt sich ein Gespräch mit den Filmemacherinnen Sophie Raehme und Perschya Chehrazi an. Teilnehmer*innen können Fragen im Chat stellen.

Mit Rainer Leweling, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg und Sophie Raehme und Perschya Chehrazi.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Sabine Demsar.


Ein Film aus dem Kurzfilmprojekt Neue Normalität. Leben in der Pandemie.

Corona hat unsere Welt in allen Bereichen grundlegend verändert. Die Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, haben das gesellschaftliche und private Leben auf den Kopf gestellt.

Die Regeln für das Leben in der neuen Normalität betreffen jede*n gleichermaßen – sind in ihren Auswirkungen jedoch äußerst unterschiedlich.

Für manche geht die neue Normalität einher mit einer besseren Lebensqualität durch Homeoffice, Digitalisierung und einer generellen Entschleunigung, für andere bedeutet sie Existenzangst, Überforderung und Perspektivlosigkeit.

Sicher ist jedoch: Vieles verändert sich dramatisch. Es entstehen neue Formen des Arbeitens und des Lernens, die Idee vom Leben in der Stadt oder auf dem Land wandelt sich, das Verhältnis von Individuum und Staat sortiert sich neu.

Die Frage, was Generationen verbindet und trennt, gewinnt eine andere Dimension.

Künstler*innen und Kulturinstitutionen müssen neue Wege finden; die Formen, wie wir Kunst und Kultur wahrnehmen und konsumieren, werden auf unabsehbare Zeit andere sein. Diese Liste ließe sich wohl fast beliebig fortsetzen.

Wir wollen uns ein bewegtes Bild von dieser neuen Normalität machen. Deshalb haben wir jungen Filmemacher*innen im Rahmen dieses Projekts die Möglichkeiten gegeben, ihre Gedanken über das Leben und die Gesellschaft in dieser neuen Normalität filmisch umzusetzen. So sind berührende und anregende Filme entstanden, denen bei aller Unterschiedlichkeit eines gemein ist: Sie eröffnen Einblicke in die Lebenswelten von Menschen – nicht nur aus Baden-Württemberg –, die sich durch die Pandemie dramatisch verändert haben.

In dieser Reihe wollen wir die Filme vorstellen und mit den Filmemacher*innen darüber ins Gespräch kommen.


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Adresse
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Veranstalter/in
Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg
Sprache
Deutsch
Teilnahmegebühren
kostenfrei