Mittwoch, 16. Januar 2008 13.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Leidenschaft der Vernunft – Die öffentliche Intellektuelle Susan Sontag

Eine Würdigung anlässlich ihres 75. Geburtstags

Symposium und Vorträge

Programm:
Symposium, 13.00 - 19.00 Uhr, Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung
Vorträge mit:
Olaf Briese (Kulturwissenschaftler)
Carolin Emcke (Publizistin)
Thomas Meyer (Judaist)

Filmvorführung, 20.00 Uhr, Kino Hackesche Höfe
Film: `2 oder 3 Dinge, die ich von ihr weiß` (Jean-Luc Godard, 1967)

Einführung:
Richard Faber, Christine Holste (Berlin)

Susan Sontag war New Yorkerin, doch im Grunde überall zu Hause. In ihrem Leben und Werk versuchte sie stets, die Mannigfaltigkeit der Welt zu erschließen.

Sontag war eine radikal heutige, geistesgegenwärtige Intellektuelle mit universellen Interessen. Allem Neuen gegenüber offen, verhalf sie unentdeckten Künstlern in Literatur, bildender Kunst und Film zu weltweiter Anerkennung. Vor allem als Photographie-Theoretikerin und Filmkritikerin hatte sie eine Pionierrolle inne.
Ihre brillante Analyse- und Formulierungsfähigkeit verband sich mit den ästhetischen Präferenzen einer hoch gebildeten Persönlichkeit. Einem allzu elitären Kulturbegriff misstrauend, behielt sie eine wache Aufmerksamkeit für die Stil- und Codierungslust der Popkultur bei. Susan Sontag verband Geist und Glamour in wohl einmaliger Weise.

Wie nicht wenige linksliberale Intellektuelle ostjüdischer Herkunft vertrat sie offensiv das alteuropäische Bildungsideal in der Neuen Welt, der sie stets als solidarische Kritikerin begegnete. Von Auschwitz
nachhaltig traumatisiert, rang Sontag als `nichtjüdische Jüdin` um die verteidigenswerten Errungenschaften des Alten Europa. Nicht zuletzt deutscher Literatur und Musik galt die leidenschaftliche Liebe der 2004 verstorbenen Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels.

Am 16. Januar wäre Susan Sontag 75 geworden. Mit einem Symposium soll der Versuch gemacht werden, die vielen Seiten dieser herausragenden Figur der jüngeren Zeitgeschichte zu beleuchten.

Ablauf:
13:00    Jan Engelmann (Heinrich-Böll-Stiftung), Begrüßung

13:30    Carolin Emcke (Berlin): „Die Kriege anderer betrachten. Susan Sontags Blicke auf die entfesselte Gewalt“

14:15    Reinhard Brenneke (Luxembourg): „Die amerikanische Freundin. Susan Sontags Reise nach Hanoi“

15:00       Pause

15:30    Richard Faber (Berlin): „Susan Sontag - Geist als Leidenschaft“

16:15    Olaf Briese (Berlin): „Krankheit ohne Metapher. Susan Sontags optimistische Unmittelbarkeit“

17:00    Pause

17:30    Rainer Zimmermann (München): „Eine Art von Total Recall. Eine heutige Sicht auf Susan Sontags Essay über Science-Fiction-Filme“

18:15    Karin Bruns (Linz), „Schatten des Realen. Susan Sontags Perspektiven auf Fotografie und Film“

19:00    Pause

20:00    „2 oder 3 Dinge, die ich von ihr weiß“ (Jean-Luc Godard, 1967)