- Dienstag, 18. September 2012 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Leitbild Schweiz oder Kasachstan?
Vorstellung der Denkschrift zur Entwicklung der ländlichen Räume in Sachsen
Die Schweiz und Kasachstan stehen für absolut gegensätzliche Agrarstrukturen. In der Schweiz dominieren auch heute klein- und mittelbäuerliche Höfe. Das Land ist deswegen nicht rückständig. In Kasachstan hingegen herrschen die aus den sowjetischen Kolchosen und Sowchosen hervorgegangenen Großbetriebe mit Flächenausstattungen von 5.000 bis 40.000 Hektar vor. Die deutsche Agrarstruktur liegt ungefähr in der Mitte zwischen der Schweiz und Kasachstan. Doch dieses Durchschnittsdeutschland existiert nur in der Statistik.
Auf dem Lande gibt es die deutsche Einheit noch nicht: Im Osten beträgt die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe mehr als das Fünffache von jener im Westen; die Zahl der Beschäftigten je 100?ha landwirtschaftlicher Nutzfläche liegt in Westdeutschland bei 9,60, in Ostdeutschland bei 2,86. Wegen ihrer Konzentration auf billige Massenprodukte erzielen Großbetriebe subventionsbereinigt eine geringere Nettowertschöpfung je Fläche als kleinere Betriebe. Somit bringt die ostdeutsche Landwirtschaft eine deutlich geringere Wertschöpfung in die ländlichen Räume als die westdeutsche. Was uns als eine «Orientierung am Weltmarkt» verkauft werde, sei nur eine Anpassung an die Getreide produzierenden Steppengebiete Asiens und Amerikas. Die Angleichung der ostdeutschen Dörfer und Kulturlandschaften an die dortigen Verhältnisse ist weit fortgeschritten – und sei inzwischen auch der separaten ostdeutschen Agrarpolitik nach 1990 anzulasten.
Michael Beleites verknüpft seine schonungslose Analyse der ostdeutschen Agrarpolitik vor und nach der 89er Revolution mit der Suche nach Visionen für eine zukunftsfähige Landbewirtschaftung. In dem bäuerlichen Erbe Sachsens und Thüringens sieht er eine besondere Chance zur schrittweisen Wiederbelebung sozial und ökologisch verträglicher bäuerlicher Strukturen. Die künftige Agrarpolitik müsse daran gemessen werden, ob sie diese Chance nutze.
Auf dem Lande gibt es die deutsche Einheit noch nicht: Im Osten beträgt die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe mehr als das Fünffache von jener im Westen; die Zahl der Beschäftigten je 100?ha landwirtschaftlicher Nutzfläche liegt in Westdeutschland bei 9,60, in Ostdeutschland bei 2,86. Wegen ihrer Konzentration auf billige Massenprodukte erzielen Großbetriebe subventionsbereinigt eine geringere Nettowertschöpfung je Fläche als kleinere Betriebe. Somit bringt die ostdeutsche Landwirtschaft eine deutlich geringere Wertschöpfung in die ländlichen Räume als die westdeutsche. Was uns als eine «Orientierung am Weltmarkt» verkauft werde, sei nur eine Anpassung an die Getreide produzierenden Steppengebiete Asiens und Amerikas. Die Angleichung der ostdeutschen Dörfer und Kulturlandschaften an die dortigen Verhältnisse ist weit fortgeschritten – und sei inzwischen auch der separaten ostdeutschen Agrarpolitik nach 1990 anzulasten.
Michael Beleites verknüpft seine schonungslose Analyse der ostdeutschen Agrarpolitik vor und nach der 89er Revolution mit der Suche nach Visionen für eine zukunftsfähige Landbewirtschaftung. In dem bäuerlichen Erbe Sachsens und Thüringens sieht er eine besondere Chance zur schrittweisen Wiederbelebung sozial und ökologisch verträglicher bäuerlicher Strukturen. Die künftige Agrarpolitik müsse daran gemessen werden, ob sie diese Chance nutze.