Konferenz Freitag, 04. Oktober 2019 – Samstag, 05. Oktober 2019 /
Leipzig

(L)Ost in Transformation

Analyse der ostdeutschen Gesellschaft

Urheber/in: Gerd Altmann (pixabay.com). Public Domain.
Datum, Uhrzeit
Fr., 04. Okt. 2019, 18.00 Uhr  –
Sa., 05. Okt. 2019, 18.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Adresse
Siehe Veranstaltungsbeschreibung
Sprache
Deutsch
Veranstalter/in
Landesstiftung Sachsen (Weiterdenken)
Rechtliches
Allgemeine Geschäftsbedingungen

Was ist eigentlich im Osten los? Seit 2014/15 hat die Dynamik der Ereignisse - Wahlergebnisse für die AfD, gewalttätige Übergriffe auf Migrant*innen, verbale Entgrenzungen - insbesondere in Ostdeutschland ständig zugenommen. Es scheint eine neue Phase der Nachwendegeschichte begonnen zu haben, in der das bisherige, stille Einverständnis mit den Regierenden von einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung aufgekündigt wird.

Mit den gegenwärtigen Debatten um die Anerkennung der „ostdeutschen Lebensleistung“, eine verbindliche Einstellungsquote für Ostdeutsche, aber auch das Sprechen über biographische Brüche, rückt die Zeit der „friedlichen Revolution“ erneut in den Fokus der Debatten. Deutungen über den Charakter der ostdeutschen Teilgesellschaft 30 Jahre nach dem Mauerfall haben wieder Hochkonjunktur.

Die Konferenz „Lost in Transformation“ versammelt geläufige und weniger geläufige Analysen über die Eigenarten Ostdeutschlands. Neben aktuell diskutierten Fragen zum ostdeutschen Wohnungsmarkt, zum Rechtsruck und zur spezifischen ostdeutschen Wirtschaftsweise werden auch die ideologischen Hinterlassenschaften der DDR-Gesellschaft und die Widersprüchlichkeiten der Debatten zu Migration damals und heute beleuchtet.

Die Konferenz versteht sich dabei als Debattenforum, richtet sich explizit auch an ein nicht-wissenschaftliches Publikum und möchte zivilgesellschaftliche Initiativen zum Austausch einladen.

 

Veranstaltungsort: galerie KUB, Kantstraße 18, 04275 Leipzig

Zeit: 4.10. 18:00 bis 22:00 Uhr // 5.10. 10.00 bis 18:00 Uhr

Anmeldungen bitte an ost-konferenz@engagiertewissenschaft.de

 

PROGRAMM

Freitag, 04.10.2019

- 18.00 Uhr -
Ankommen

- 19.00 Uhr -
Eröffnung der Konferenz

- 19.30 Uhr -
Werkstattlesung: Das Zauberwort heißt Doppelleben
( Carolin Krahl, Autorin, Leipzig )

Die Leipziger Autorin Carolin Krahl liest aus ihrem Romanmanuskript, in dem die Erfahrungen jener Generation von Frauen reflektiert werden, die in der Zeit der Wende in Ostdeutschland aufwuchsen und damit früh durch die Veränderungen der gesellschaftlichen Stellung der Frau zwischen DDR und BRD geprägt wurden.

- 20.30 Uhr -
Podiumsgespräch: Wie schauen wir heute zurück? Feministische Perspektiven auf die Wiedervereinigung

Samstag, 05.10.2019

- 10.00 Uhr -
Eröffnung durch die Veranstalter*innen und anschließender Vortrag: Lost in Transformation - Aktuelle Forschung und Debatten in und über Ostdeutschland

- 11.00 Uhr -
Vortrag und Diskussion: Die Widersprüche der SED-Ideologie und ihre Auswirkungen
( Jeanne Franke, Soziologin, Leipzig )

In den öffentlichen Auseinandersetzungen um Ostdeutschland wird die DDR häufig pauschal als eine zweite deutsche Diktatur und autoritäres Regime bestimmt. Ziel des Vortrags ist es, einen differenzierteren Blick auf die politische Herrschaft der SED zu werfen und die Idee eines sozialistischen Staates ernst zu nehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Verhältnis zwischen Demokratie und Diktatur sowie Internationalismus und Antiimperialismus.

- 11.00 Uhr -
Vortrag und Diskussion: Kapitalismus in der Peripherie – die Politische Ökonomie Ostdeutschlands
( Dominik Intelmann, Humangeograph, Leipzig )

Die Politische Ökonomie Ostdeutschlands ist geprägt durch eine strukturelle Abhängigkeit vom westdeutschen Landesteil. Dabei schlägt sich das Fehlen einer lokalen Eigentümer*innenklasse in einer dauerhaften Transferabhängigkeit nieder. Im Beitrag wird diese bis heute andauernde Konstellation anhand der politischen Richtungsentscheidungen im Wiedervereinigungsprozess rekonstruiert.

- 12.30 Uhr -
Pause

- 14.00 Uhr -
Doppelvortrag und Diskussion: Die Wohnungsfrage(n) in Ostdeutschland zwischen sozialer Ungleichheit und politischem Autoritarismus

1. Teil:
( Elisa Gerbsch, Humangeographin, Leipzig )

Die Suche nach Antworten auf die Wohnungsfrage aus sozialistischer Perspektive fand mit der Wende ihr jähes Ende. In den 1990er Jahren breitete sich eine Landschaft schrumpfender Städte aus. Erst in den 2000er Jahren gelang es der politischen Ökonomie Ostdeutschlands Städten wie Dresden, Leipzig oder Jena eine neue Anziehungskraft zu verleihen. Die revitalisierten Wohnungsmärkte leben jedoch von einem dauerhaften Verdrängungsdruck. In der Folge entsteht in den ostdeutschen Städten eine Wohnungsfrage von neuem Charakter.

2. Teil:
( Paul Zschocke Sozialwissenschaftler, Leipzig )

Die Großwohnsiedlung galt ihren Erbauern in der DDR als architektonische visionäre Umsetzung sozialistischen Wohnens und Lebens. Nach 30 Jahren Transformation erfüllt sie jedoch eine gänzlich andere Funktion im städtischen Gefüge ostdeutscher Groß- und Mittelstädte. Am Fallbeispiel Leipzig-Grünaus wird verdeutlicht, wie dieser Funktionswandel einherging mit einer Abwertung von Lebensweisen, dem Aufkommen neuer städtischer Konflikte und der Zunahme gegenwärtiger autoritär-populistischer Potentiale.

- 14.00 Uhr -
Gespräch und Diskussion: Migrationserfahrungen in Ostdeutschland – Die Perspektiven ehemaliger Vertragsarbeiter*innen und der Nachwendegeneration
( Nhi Le, freie Journalistin und Bloggerin, Leipzig und Emiliano Chaimite Vorsitzender des Dachverbands Sächsischer Migrantenorganisationen, Dresden )

In einem Gespräch mit anschließender Diskussion werden die Erfahrungen unterschiedlicher Generationen von Menschen mit Migrationserfahrung in Ostdeutschland in den Blick genommen. Welche spezifischen Veränderungen brachte die Wiedervereinigung und inwiefern knüpfen aktuelle Widersprüchlichkeiten innerhalb der Debatten um Migration an diejenigen der Wendezeit an? Welche Rolle spielen die Kategorien Ost und West heute?

 - 16.00 Uhr -
Pause

- 16.30 Uhr -
Abschlussdiskussion: Ostdeutschland und kein Ende? Gesellschaftliche Realitäten 30 Jahre nach der Wiedervereinigung

 

 

Die Tagung ist eine Kooperation zwischen der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der galerie KUB, Engagierte Wissenschaft e.V. und Weiterdenken Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V.

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